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12/05/2011

Social Media im Auto

Comand Online. Mit November ist auch Facebook in einem Mercedes nutzbar. Was sonst noch für die nächsten Jahre geplant ist.

von Maria Brandl

Als vor 125 Jahren das Auto erfunden wurde, ging es um den Transport von Mensch und Gut. Die Wende kam mit dem Autoradio und dem Autotelefon. Dieses war 1958 ein Brocken von 7 kg, so Peter Häußermann, Leiter Elektrik/Elektronik bei Daimler. Das Telefon kostete halb so viel wie das Auto. Aber damals begann der Trend, dass man auch im Auto den Kontakt zu seinem Umfeld halten will.

Probe Mit dem heuer als erstes im SLK und in der C-Klasse eingeführten "Comand Online" (siehe Glossar) ist man nun wirklich "always on". Es handelt sich dabei um eine Internetverbindung, die das freie Surfen am Stand und verschiedene Apps, die auch während der Fahrt nutzbar sind, erlaubt.

Der Nutzer kann so seine am PC vorkonfigurierte Route ins Auto übertragen oder via Facebook seine Ziele wählen. YouTube soll später kommen, auch das iPhone Interface Plus ist erst ab Mitte 2012 zu haben.

Die ersten via Facebook "vermittelten" Routen funktionierten tadellos, zeigten aber auch, dass sich mit Comand Online am Grundproblem der Mercedes-Navigation, den zu späten akustischen Hinweisen, nichts bessert.

Als Basis für den Zugang zum Internet dient bei Mercedes das Mobiltelefon des Nutzers. Eine zweite SIM-Karte ist nicht nötig, die Abrechnung erfolgt über den Handyvertrag. Die Funkverbindung zwischen Smartphone und Comand Online geht per Bluetooth, damit ist das Comand Online immer so schnell wie das jeweils genutzte Smartphone. 2013 soll NFC (s. Glossar) kommen.

Dank der Systemarchitektur wird nun die kurzlebige Consumer Electronic vom viel längeren Autozyklus entkoppelt: Künftig wird der Nutzer auch in einem vier Jahre alten Mercedes die neuesten Apps nutzen können. Das Update der Apps erfolgt automatisch, ohne Werkstättenbesuch.

Die Vorgaben punkto Datenschutz und Vermeiden von Fahrerablenkung erfüllt Mercedes über einen Backend-Server, der die Daten für den automotiven Einsatz aufbereitet. Derzeit reicht ein zentraler Server (in Deutschland). In den USA, wo es schon eine Art Online-Notruf-System gibt, kommt Comand Online später, ebenso in China, dort bedarf es noch einer Einigung mit dem Staat.

Glossar

- App: In Comand Online integrierte Anwendungen (Apps) wie Google Lokale Suche. Die Seiten bauen sich besonders schnell auf, um auch während der Fahrt leicht bedienbar zu sein.

- Backend-Server: Server, der Comand Online im Auto mit stets aktuellen, an die Bedienung während der Fahrt angepassten Anwendungen und Infos versorgt. Freies Browsen würde viel zu lange dauern (Ablenkungsgefahr). Außerdem siebt der Server gefährliche Mails ("Malware") aus, ebenso Inhalte in zu kleiner Schrift.

- Comand:
Online Multimedia-System mit Internetzugang. Derzeit für B-, C-, E-, M-Klasse, SLK, CLS.

- MirrorLink: Erlaubt die komplette Abbildung der Handyinhalte auf dem Fahrzeugmonitor sowie die Steuerung gängiger Smartphones via Auto-Bedienelemente.

- NFC: Near Field Communication, ein globaler Funkübertragungsstandard für kontaktlosen Austausch von Daten (max. 424 kBit/s) über kurze Strecken (max. 5 cm). Gilt als besonders sicher, macht Passcodes überflüssig.

- VPN.
Virtual Private Network, Schnittstelle für Internet-Verbindung.

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