Tests 08/08/2017

VW E-Golf: Großer Schritt nach vorne, aber mit hohem Preis als Bremse

VW E-Golf: Großer Schritt nach vorne, aber mit hohem Preis als Bremse
© KURIER/Franz Gruber

Wie sich das größere Batteriepaket und der stärkere E-Motor auf die reale Reichweite auswirken.

Den Kältetest hat sich der Test-E-Golf erspart. Der Mehrverbrauch durchs Heizen und die Vorzüge der im Testauto eingebauten, aber aufpreispflichtigen Wärmepumpe konnten somit nicht überprüft werden, dennoch brachte der Alltag auch so einige Überraschungen rund um den erneuerten E-Golf. Er hat ja gegenüber dem Vorgängermodell mit 300 km um 50 % mehr Reichweite. Zudem können Kunden beim Importeur eine Ladekarte beantragen, mit der sie ein Jahr lang kostenlos bei Smatrics-Ladestellen ihren E-Golf aufladen können.

Der Test-E-Golf war auch mit einer grünen Nummerntafel bestückt, die mit der jüngsten E-Mobilitätsoffensive der Bundesregierung und des Autohandels eingeführt wurde. Dieses grüne Nummernschuld führte gleich zu einer (negativen) Überraschung: Anders als vorher, wo der E-Golf als "normales" Auto im Verkehr respektiert wurde, galt er mit dem grünen Nummernschild offenbar als Behindertenfahrzeug, das geschnitten, überholt, ausgebremst wurde wie ein langsames Mopedauto, obwohl der E-Golf normal im Verkehr mitschwamm.

In Fahrt

Damit wären wir auch bereits bei einem wesentlichen Punkt: dem Fahrerlebnis.

Die Bedienung des E-Fahrzeuges erfordert viel weniger Umgewöhnung als das im Testmodell verbaute digitale Cockpit. Die Bedienung per Touchscreen bringt vor allem in der Nacht deutlich mehr Ablenkung von der Fahraufgabe als die bisher übliche Dreh-Drück-Schalter, die "blind" zu finden waren, umso mehr, als nicht einmal die Radio-Lautstärke mit einem Regler zu verändern ist.

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© KURIER/Franz Gruber

Das Raumgefühl ist wie gewohnt. Der Laderaum ist nur knapp 40 l kleiner als beim normalen Golf.

Aufgefallen ist ein geändertes Lenkgefühl, der Vorderwagen fühlt sich spürbar leichter mit E-Antrieb an. Sehr angenehm auf die Straßenlage wirken sich die im Fahrzeugboden untergebrachten rund 350 kg schweren Batterien aus.

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© KURIER/Franz Gruber

Noch spürbarer sind die überdurchschnittlichen Leichtlaufeigenschaften des E-Golf dank der darauf optimierten Reifen und des E-Antriebs. Das verstärkt das Fahrgefühl des entspannten und leisen Dahingleitens. Bei Bedarf, etwa wenn es bergauf geht oder bei Beschleunigungen auf der Autobahn, wirkt sich auch der um 21 PS stärkere E-Motor spürbar aus. Die Rechnung zeigt der Bordrechner prompt: Die beim Dahingleiten angegebenen 12 bis 16 kWh Verbrauch schnellen bei Volllast auf 30 und mehr kWh pro 100 km. Nicht vorteilhaft wirken sich die Leichtlaufreifen offenbar bei Nässe auf die Traktion des E-Golf aus, die durch das hohe Anfahrdrehmoment des E-Motors vor einer zusätzlichen Herausforderung steht.

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© KURIER/Franz Gruber

Geladen wird via eines Anschlusses hinten rechts, im Cockpit wird die Zeit bis zur Vollladung angegeben (siehe Bild). Dank der im Laderaum mitgeführten Stecker ist Laden per Schukostecker, per Wallbox oder per CCS-Stecker (EU-Einheitsstecker) mit 50 kW an einer Schnellladestation, z.B. bei Smatrics, möglich. Das An- und Abmelden mit der Ladekarte an Smatrics-Ladestellen funktionierte problemlos. Möglich ist auch Laden mit 380 V (dreiphasig), die schnellste Ladevariante für Zuhause (Vollladen in ca.5 h).

Die Verarbeitungsqualität unseres Testmodells zeigte keine Schwächen. An Extras hatte es z.B. einen Warnton für Passanten, eine beheizbare Frontscheibe, ein Komfortpaket (aber die Fahrersitzverstellung ist mechanisch), einen Parkpiloten, ein Spiegelpaket, einen schlüssellosen Zutritt sowie die erwähnte Wärmepumpe mit € 938,40.

Antrieb: E-Antrieb, permanent erregte Synchronmaschine, 1-Gang-Getriebe, Lithium-Ionen-Batterien, Frontantrieb, 0–100 in 9,6 sec, Spitze 150 km/h, Ladezeit Wallbox (AC/7,2 kW) 5,2 h, mit DC/40 kW 45 min (80 %).

Batterien: 35,8 kWh

Spannung: 323 V

E-Motor: 136 PS/100 kW bei 3000 bis 12.000 U/min

maximales Drehmoment: 290 Nm bei 0 bis 3000 U/min

Fahrwerk: Einzelradaufhängung, an McPherson-Vorderachse mit Dreiecksquerlenkern und 2 radführenden Federbeinen sowie an 4-Lenker-Hinterachse, Servolenkung, vier Scheibenbremsen (vorne innen belüftet), ABS, Stabilitätssystem ESC, City-Notbremsassistent, keine Anhängelast, Bodenfreiheit 143 mm, Höhe der Ladekante: 650 mm.

Maße (L x B x H): 4270 x 1799 x 1482 mm

Wendekreis: 10,9 m Radstand: 2629 mm Bremsweg warm: 35,9 m/Bremsweg kalt: 36,5 m

Kofferraum: 341 l Gewicht: 1615 kg/Gesamtgewicht: 2020 kg

Norm-Reichweite: 300 km/Testreichweite:ca. 240 km

Normverbrauch: Gesamtsystem 12,7 kWh/100 km 0 g/km CO² (abhängig vom Strommix)

Testverbrauch: 13,5 kWh/100 km

Preis: 37.990 €

Preis Testwagen: 42.537 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 0 €

(Kurier) Erstellt am 08/08/2017