News 15.04.2015

Was beim Kauf von Kindersitzen zu beachten ist

Was beim Kauf von Kindersitzen zu beachten ist
© FOTObyHOFER/Werk/Arbö/Christian Hofer

Was bei der Wahl des Kindersitzes zu beachten ist. Warum das Angebot unter 70 Euro so groß scheint.

Grundsätzlich gilt für Kinder wie für Erwachsene im Auto: Bei einem Unfall ist das Risiko, getötet zu werden, acht Mal höher, wenn sie nicht angegurtet sind. Airbags sind kein Ersatz für die Sicherheitsgurte, sondern die ideale Ergänzung. Sie schützen nur, wenn der Passagier angeschnallt ist.

Dass das Risiko nicht erst bei Tempo 130 von Bedeutung ist, zeigt folgende Formel: Ein Aufprall bei 50 km/h entspricht dem freien Fall aus zehn Metern Höhe. Eine Ahnung, welche Kräfte schon bei geringerem Tempo auf die Menschen einwirken, vermittelt ein Versuch im Aufprallsimulator, den etwa die Autofahrerclubs ARBÖ und ÖAMTC anbieten.

Um den optimalen Schutz des Rückhaltesystems zu erreichen, sollten die Kinder dicke Jacken vorher ausziehen.
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Für die richtige Sicherung der Kinder unter 14 ist der Lenker verantwortlich. Der passende Kindersitz richtet sich nach Größe, Gewicht und Alter des Kindes.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sondern haben anatomische Besonderheiten wie eine noch nicht voll ausgeprägte Nackenmuskulatur bei gleichzeitig vergleichsweise schwerem Kopf (hohes Risiko für schwerste Halswirbelverletzungen bei einem Aufprall), zudem ist der Hüftknochen noch nicht voll entwickelt (hohe Gefahr des Durchrutschens unter einem nicht passenden Gurt oder schwerer Bauchverletzungen).

Die Kinder sollten außerdem in dem entsprechenden Rückhaltesystem nicht nur bestmöglich gesichert sein, sondern sich auch wohl fühlen. Dann werden sie den Kindersitz ohne Quengeln akzeptieren.

Die Eltern sind das große Vorbild: Verweigern sie den Sicherheitsgurt, werden auch die Kleinen sich gegen ein "Festzurren" wehren.

Liegeschalen Babys werden in Liegeschalen transportiert, die gegen die Fahrtrichtung zu montieren sind. Auf den Beifahrersitz dürfen sie nur dann kommen, wenn der Beifahrerairbag garantiert deaktiviert ist, sonst müssen die Liegeschalen im Fond gegen die Fahrtrichtung befestigt werden.

Für größere Kinder reichen Sitzkissen, die mit Becken- gurt oder, besser, mit Dreipunktgurt fixiert werden.
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Beckengurt (Zweipunktgurt) Falls im Fond ein Sitz erlaubterweise nur mit einem Beckengurt versehen ist, müssen Kinder bis 22 kg dort grundsätzlich mit einem geeigneten Kindersitz gesichert werden. Hat allerdings wegen zwei Kindersitzen auf den äußeren Fondsitzen in der Mitte kein Kindersitz mehr Platz ("Faktische Unmöglichkeit"), dann reicht die Sicherung durch den Beckengurt allein.

Hosenträgersysteme Sie können vorwärts oder rückwärts gerichtet werden. Die Gewichtsklassen sind in der ECE R 129 oder R 4403 geregelt.

Reboard-Sitze sollten hinten montiert werden, wenn es vorne keine Beifahrerairbag-Deaktivierung gibt.
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Reboard Damit werden gegen die Fahrtrichtung montierte Rückhaltesysteme für Kinder bezeichnet.

Fangkörpersysteme (Sitzkissen) Diese Sitzpolster dürfen nur zusammen mit einem Sicherheitsgurt verwendet werden. Der Gurt alleine kann für Kinder unter 1,5 m zu schweren Hals-, aber auch Becken- und Bauchverletzungen führen.

Sitzkissen sind auch dann nötig, wenn Kinder kleiner als 1,5 m, aber schwerer als 36 kg sind. Sitzkissen sind selbst höherem Gewicht gewachsen.
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Sicherheitsgurt(Dreipunktgurt) Der Verankerungspunkt muss so eingestellt werden, dass der Gurt nicht den Hals des Kindes berührt.

Die Gurtbänder dürfen nicht verdreht sein.

Der Beckengurt soll über dem Becken, aber keinesfalls über dem Bauch liegen. Der Schultergurt darf nicht unter dem Arm verlaufen.

Der Gurt muss immer straff angezogen werden, sodass er am Becken und an den Schultern eng anliegt.

Wird mit dem Gurt ein Kindersitz befestigt, ist ebenfalls darauf zu achten, dass er korrekt (laut Bedienungsanleitung) verläuft und straff ist.

Kombinationssitze Solche Rückhaltesysteme sind über zwei oder mehrere ECE-Gewichtsklassen verwendbar, dazu zählen auch die zweistufigen integrierten Sitzpolster.

Kindersitzerkennung Viele Autos sind mit sensorenbestückten Beifahrersitzen ausgestattet. Dieser Sensor in der Fahrzeugsitzfläche erkennt einen ebenfalls speziell ausgestatteten Kindersitz, meldet dies an den Bordrechner, der dann den Beifahrerairbag deaktiviert.

In der Anfangsphase dieser Technologie sprangen diese Sensoren schon an, wenn eine mittelschwere Handtasche auf den Beifahrersitz gelegt wurde, was mit heftigen Warntönen quittiert wurde. Dieses Problem ist inzwischen weitgehend entschärft.

Schadstoffe Bei der Wahl von Kindersitzen sollte nicht nur auf die Sicherheit, sondern auch auf Kriterien wie Bedienung und Sicherheit, Reinigung und Verarbeitung, aber auch auf die Schadstoffbelastung geachtet werden. Viele Kindersitze enthalten eine große Menge an Weichmachern, auch bei anderen Schadstoffen wurden beim Kindersitztest 2014 vom ÖAMTC in allen elf getesteten Modellen Spuren erhöhter Belastung gefunden.

Kosten Viele Kunden suchen im unteren Preissegment nach guten Kindersitzen. Tatsächlich scheint das Angebot in der Preisklasse bis 70 Euro sehr vielfältig. Laut ÖAMTC werden oft aber idente Produkte mit verschiedenen Bezeichnungen angeboten. Beim jüngsten Test stellte er mehr als 30 bauähnliche Modelle fest. Viele Hersteller würden nach einem schlechten Abschneiden beim Kindersitztest einfach den Namen ändern und das Modell unverändert weiter anbieten. Die Autofahrerclubs ARBÖ und ÖAMTC können hier den Eltern bei der richtigen Wahl helfen.

(Kurier) Erstellt am 15.04.2015