News 25.09.2017

Zement-Bremsbeläge gegen das Partikelproblem

Zement-Bremsbeläge gegen das Partikelproblem
© WERK/Porsche

Bremsen: Wie die bislang unbeachteten Feinstaubquellen im Auto künftig eingebremst werden sollen.

Wenn auch die Benziner infolge verschärfter Abgasnormen mit Partikelfilter ausgestattet sein werden, ist das Problem der Partikel aus dem Autoauspuff praktisch gelöst, wie das Umweltbundesamt bestätigt.

Feinstaubquelle Dass die Feinstaubbelastung der Luft durch den Straßenverkehr dennoch nicht im gleichen Maße sinkt, liegt an anderen Verursachern, die bislang kaum jemand beachtete: Reifen und Bremsen. Ihr Anteil überschreitet inzwischen jenen aus dem Auspuff bei Weitem, vor allem in der Stadt. Besonders groß ist er bei E-Fahrzeugen wegen deren höheren Gewichts und höheren Anfahrmoments.

In einer Studie für London wird geschätzt, dass der Anteil der Partikel durch Brems- und Reifenabrieb an der Gesamtbelastung bei den größeren Partikeln (PM10) 2015 gegenüber 2011 von 35 auf 47 % gestiegen ist, bei den kleineren (PM2,5) sogar von 40 auf 55 %.

EU-Vorgabe Um dennoch die Luftgüte zu verbessern, legte die EU-Kommission vor Jahren das Ziel fest, bis 2020 den Partikelausstoß um mindestens 47 % zu senken. Mehrere Forschungsprogramme wurden dafür gestartet.

Neue Ansätze Das Projekt "REBRAKE" ging heuer im Feber zu Ende. Unter der Führung des Bremsenherstellers Brembo wurde nicht nur Ursachenforschung betrieben, sondern wurden auch neue Bremssysteme entwickelt, und zwar nach einer weiteren Vorgabe der EU, nämlich durch Ersatz von Kupfer, so Uwe Hein im Motor-KURIER-Gespräch auf der IAA in Frankfurt. Die Forscher zeigten, dass es möglich ist, Bremsscheiben und -beläge sowohl kupferfrei wie abriebarm und gleichzeitig sicher und komfortabel wie gewohnt zu machen.

Erste Brembo-Bremsen dieser Art sollen in Kürze in einem Daimler-Modell in Serie gehen. Bosch-Chef Volkmar Denner kündigte eine entsprechende Bremsscheibe namens "iDisc" für 2018 an (Porsche Cayenne). Sie soll bis zu 90 % weniger Bremsstaub im Vergleich zu aktuellen Bremsscheiben verursachen. Sie ist mit Hartmetall beschichtet und kupferfrei.

Ausblick Weitere Verbesserungen erwarten sich EU und Industrie vom 2015 gestarteten Projekt "Lowbrasys". Seine Schwerpunkte liegen bei der Entwicklung neuer und umweltfreundlicherer Materialien für Bremsbeläge und Scheiben, verbesserter Bremsstrategien zur Vermeidung erhöhten Abriebs, einer "bahnbrechenden" Technologie zum Auffangen der Teilchen nahe der Quelle, wo übrigens der Zulieferer Mann + Hummel vor Kurzem in einem Versuchsfahrzeug ein System präsentierte, sowie einer besseren Systemintegration der einzelnen Bremskomponenten, besserer Messtechniken und einer umfassenden Untersuchung empfehlenswerter Fahrpraktiken. Auch die Haltbarkeit der neuen Beschichtung der Bremsscheiben ist, so Hein, ein Thema.

Noch bis 2018 läuft das "Cobra-Projekt" im Rahmen des LIFE+-Programms der EU. Auch hier ist Brembo an führender Stelle dabei und entwickelt etwa mit der Firma Italcementi Bremsbeläge mit Zement als Ersatz vor allem für Phenolharze.Die großen Vorteile: Viel geringerer Abrieb (weniger Partikel), 90 % bzw 95 % weniger Energie- bzw. Wasserverbrauch bei der Rohstofferzeugung für die Bremsbeläge. 2018 will man erste Beispiele zeigen.

(Kurier) Erstellt am 25.09.2017