Service
28.06.2018

Motorradhelme im Test - einer fiel komplett durch

ÖAMTC und ADAC haben neun Motorradhelme getestet - das Ergebnis ist eher ernüchternd.

Der richtige Motorradhelm trägt viel zur Sicherheit im Straßenverkehr bei. Er ist nicht nur lebenswichtiger Schutz für den Kopf, sondern reduziert auch die Einflüsse von Wind und Wetter auf den Fahrer. Doch Helm ist nicht gleich Helm. Aus diesem Grund hat der ÖAMTC gemeinsam mit dem ADAC neun Motorradhelme auf Handhabung und Komfort, aerodynamische Eigenschaften, aktive Sicherheit und Sicht, passive Sicherheit und Unfallschutz sowie Umwelt- und Gesundheitsaspekte getestet. "Vielleicht doch ein wenig überraschend war, dass keiner der getesteten Helme die Prüfung mit Bestnote bestand", fasst ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl die Ergebnisse zusammen. "Ein Testkandidat fiel sogar komplett durch."

Testsieger mit "gut" ist der Shoei NXR. "Der kompakte Sporthelm überzeugt mit durchwegs guten Bedien- und Fahr- sowie günstigen Stoßdämpfungseigenschaften", resümiert der ÖAMTC-Tester. Der X-Lite X-803 Ultra Carbon sowie der HJC RPHA 11 Carbon schnitten nur geringfügig schlechter ab. Ein "befriedigend" in der ÖAMTC-Bewertung gab es für den BMW Helm Race und den Shark Spartan Carbon. "Der MTR S-10 Carbon erzielte zwar auch nur ein 'befriedigend', ist allerdings der Helm mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis im Feld", erläutert Kerbl. "Er hat im Test nur leichte Schwächen gezeigt und ist daher optimal für Fahrer, die auf der Suche nach einem günstigen Helm sind."

Ganz anders jedoch der NEXX X.G100 R Billy B. "Dieser hat bei der Kinnschlagprüfung den Grenzwert mehrfach überschritten, was ihm in Endergebnis ein 'nicht genügend' eingebracht hat", bringt es Kerbl auf den Punkt. Bei diesem Testabschnitt werden Aufschlagpunkte untersucht, die den häufig beanspruchten Helmzonen bei Unfällen entsprechen. Auch der Nishua NXR-1 Carbon und der Scorpion EXO 1400 Air zeigten Auffälligkeiten bei den Schlagpunkten im hinteren Kopfbereich. "Die sonst guten Helme konnten daher nur mit 'genügend' bewertet werden", weiß der Experte des Mobilitätsclubs.

Helmabnahme

Wer nach einem Unfall einem Motorradfahrer den Helm abnehmen will, scheitert oft bereits an der Bedienung des Kinnriemen-Verschlusses. Daher wurde erstmals auch die Helmabnahme nach einem Unfall durch Ersthelfer nachgestellt und beurteilt. "In erster Linie ging es uns darum, die Wirkung und Bedeutung der sogenannten Notfallwangenpolster zu überprüfen", erläutert Kerbl. "Durch das Herausziehen dieser Wangenpolster kann ein Ersthelfer so viel Platz schaffen, dass sich der Helm leichter abziehen lässt." Der Unterschied ist enorm. Die vier Modelle ohne Notfallwangenpolster ( BMW, MTR, NEXX und Shark) kamen bei diesem Testteil nicht über die Bewertung "genügend" hinaus, die fünf mit (Shoei, Nishua, HJC, Scorpion und X-Lite) konnten durchwegs mit "gut" bis "sehr gut" bewertet werden.

Tipps zum Helmkauf

"Der umfangreiche Helmtest kann zwar viele Fragen beantworten, erspart aber nicht das Probieren verschiedener Größen beim Helmkauf, da der Helm ohne zu drücken fest sitzen muss", betont ÖAMTC-Techniker Kerbl abschließend, der außerdem vor dem Helmkauf unbedingt zu einer Probefahrt mit dem Objekt der Begierde rät.