Zweirad
03/18/2019

Honda CB650R und CBR650R: Zauberhafte Schwestern

Ein Reihenvierer in zwei Spielarten bringt mehr Schärfe in den Alltag.

Äußerlich sind Zwillinge meist gleich, im Kern verschieden. Bei diesen beiden Hondas – vormals als CBR650F und CB650F bekannt – verhält es sich genau umgekehrt. Der alltagstaugliche Supersportler CBR650R, der dem großen Vorbild Fireblade zum Verwechseln ähnlich sieht, und das klassisch-moderne Naked Bike CB650R werden beide von einem 649 Kubik großen Reihenvierzylinder angetrieben, der nun 95 PS erreicht – um 8 PS mehr als bisher.

Diese Steigerung wurde unter anderem durch neue Ansaugkanäle, ein geändertes Mapping und eine erhöhte Kompression erreicht. Durch ein größeres Endrohr kann der Vierzylinder schließlich besser ausatmen, der Sound bleibt dennoch zurückhaltend zivil.

CBR und CB haben je sechs Kilo abgespeckt und drücken jetzt 207 beziehungsweise 202 Kilogramm auf die Waage. Weniger Gewicht trifft also auf mehr Leistung – und mehr Ausstattung. Serienmäßig sind nun die Honda-eigene Traktionskontrolle HSTC (abschaltbar), eine Anti-Hopping-Kupplung sowie ein besseres Fahrwerk mit aufgewerteten Bremsen.

Breitentauglich

Bekannt ist hingegen die selbstverständliche Zugänglichkeit für einen breiten Kundenkreis. Der schmale Sitz auf nur 810 Millimeter Höhe sollte auch Fahrer unter 1,70 Meter den sicheren Auf- und Abstieg ermöglichen. Einzig im Bereich der Oberschenkel fallen beide durch die Motor- und Rahmenkonstruktion etwas breiter aus.

Die Geometrie der CBR ist deutlich schärfer geworden, die des Naked Bikes kaum. Der Lenker des vollverkleideten Sportmotorrads ist nach unten und vorne gerückt, die Fußraster befinden sich weiter oben und hinten. Trotz der ergonomischen Anpassungen sitzt man da wie dort nicht unbequem, wenngleich der Kniewinkel etwas eng ausfällt. Dafür werden sich wohl nur sehr motivierte Sportfahrer und Rennstreckennutzer über mangelnde Schräglagenfreiheit beklagen.

Einfach fahren

Hondas der Einsteiger- und Mittelklasse gehören zu den am einfachsten zu fahrenden Motorrädern. Neben der hohen Verarbeitungsqualität und der damit verbundenen Zuverlässigkeit sind vor allem die Selbstverständlichkeit bei der Bedienung und das hohe Sicherheitsgefühl ihre großen Stärken. Und das, obwohl CBR und CB nur über relativ einfache Fahrassistenzsysteme verfügen und beispielsweise moderne Fahrmodi gänzlich vermissen lassen.

Auch das Fahrwerk ist ein Zugeständnis an die äußerst fairen Grundpreise von 8590 (CB) und 9590 Euro (CBR). Lediglich das Federbein ist in der Vorspannung zehnfach einstellbar. Die Dämpfung könnte man als angenehm straff und absolut alltagstauglich beschreiben. Die Bremse mit zwei schwimmend gelagerten 310-Millimeter-Scheiben und Vierkolben-Bremssätteln funktioniert auch bei härterer Gangart zuverlässig und transparent, mit exakter Dosierbarkeit und homogener Kraftentfaltung.

Mit dem hohen, geraden Lenker der CB lenkt es sich leichter als mit den Stummeln der CBR, die mehr Körpereinsatz verlangen. Trotzdem ist man mit beiden schnell vertraut und bestimmt im Umgang.

Die neue Anti-Hopping-Kupplung braucht spürbar weniger Handkraft und auch die Gangwechsel gelingen spielend und exakt – noch besser übrigens mit dem optionalen Quickshifter (ohne Blipper-Funktion). Etwas störend sind die phasenweise auftretenden hochfrequenten Vibrationen in Sitz und Lenker.

Preis und Leistung

Nicht vergessen sollte man, dass ein vergleichsweise kleiner Motor nicht unbedingt einen ebensolchen Verbrauch bedingt. Bei ordentlich Auslauf im hohen Drehzahlbereich genehmigt sich der Reihenvierer auch über sechs Liter, im Alltag dürften es eher rund fünf Liter sein.

Angesichts der verträglichen Preise in Verbindung mit einer voraussichtlichen Langlebigkeit und der sensationellen Optik werden die beiden Schwestern wohl zu den Verkaufsschlagern der heurigen Saison gehören. Mit diesem Motor sind sie praktisch konkurrenzlos.