Zweirad 21.03.2018

Vespa GTV Sei Giorni im Test: Das Grün der frühen Jahre

© Bild: kurtpinter.com

Eine rollende Erinnerung an einen sportlichen Erfolg, der für alle überraschend kam. Auch für die Italiener selbst.

Das sechs Tage währende Zuverlässigkeitsrennen, das man heute als „International Six Days Enduro“ kennt, reicht bis 1913 zurück. Damals wurde es erstmals in Carlisle, Großbritannien, ausgetragen und etablierte sich in der Folge rasch als härteste Prüfung für Mensch, mehr aber noch Material. Man darf ja nicht vergessen, dass in diesen Anfangsjahren des Zweiradsports die Zuverlässigkeit kein ausgemachtes Thema war.

Auch noch nicht 1951, als die damals junge Marke Vespa mit der „Piaggio Squadra Corse“ an der 26. Auflage der „Sei Giorni“ teilnahm. Eigens dafür wurden 300 Stück der damaligen 125er-Vespa leicht modifiziert, mit zehn Fahrern ging man an den Start – und wurde genauso belächelt wie ein paar Jahre später die Minis bei der Monte Carlo Rallye. Der Unterschied: Bei den Sei Giorni gewannen neun von zehn Vespa-Fahrer eine Goldmedaille – eine Sensation.

Diesem Erfolg gedenken die Italiener seit kurzem mit dem edlen Sondermodell namens GTV Sei Giorni. Ein rundes Jubiläum oder einen ähnlichen Anlass gibt’s dafür zwar nicht, doch das hat Piaggio noch nie davon abgehalten, eine gute – und lukrative – Idee umzusetzen.

Zweiradbörse
Zweiradbörse © Bild: kurtpinter.com

Bewährte Basis

Technisch basiert das nur im Grün der frühen Jahre erhältliche Modell auf der GTS 300 Super, fürs Design holt man wiederum die GTV-Signatur zurück aus dem Ruhestand. Deren Kennzeichen waren ja der auf dem vorderen Kotflügel montierte Scheinwerfer („faro basso“, wie auf dem Vespa-Urmodell) und der unverkleidete, verchromte Lenker. Dazu gibt’s Retro-Instrumente, die nach unserem Geschmack die Uhr schon ein wenig zu weit zurückdrehen. Der kleine Tacho ist nicht sehr übersichtlich, die Digitaluhr wenig hübsch und einen Walzen-Kilometerzähler haben wir zuletzt in den Neunzigern gesehen.

Umso eleganter wirkt die restliche Bestückung: Der Sattel im Racing-Look samt Chrom-Reling am Heck, die rote Feder an der Front, schwarze Felgen und die sportliche Startnummer-Beklebung. Eine kleine Plexi-Scheibe, einen USB-Port fürs Handy-Laden und edle LED-Tagfahrlichter gibt’s auch im Paket.

Zweiradbörse
Zweiradbörse © Bild: kurtpinter.com

City-Experte

Da sich die Technik nicht von der GTS 300 Super unterscheidet, bleibt auch das Fahrverhalten identisch. Die Quirligkeit der 12-Zoll-Reifen ist vor allem in der Stadt eine Segen, dazu kommt der sauber abgestimmte, von unten kräftig anschiebende Einzylinder, der hier sogar von einer Antriebs-Schlupfregelung im Zaum gehalten wird. ABS ist natürlich ebenfalls serienmäßig und kooperiert fugenlos mit den Scheibenbremsen, die mit 158 Kilo im fahrfertigen Zustand kein Problem haben.

Wie bei allen Large-Frame-Modellen von Vespa muss man auch hier Kompromisse beim Stauraum eingehen: In die enge Höhle passen nur ausnehmend schlanke Jethelme. Ein Topcase wäre zwar auch hier zu haben, würde aber in Verbindung mit dem Sei-Giorni-Gedanken doch einen Stilbruch darstellen.

Der positive Teil der Analogie: Der Preis des Sondermodells ist auf Augenhöhe mit jenen der Serienroller: 6599 Euro entsprechen dem Preiszettel der GTS 300 Super Sport.

Technische Daten

Antrieb: Viertakt-Einzylindermotor mit einer oben liegenden Nockenwelle und vier Ventilen; Nasssumpfschmierung; elektronische Benzineinspritzung;

Hubraum: 278 cm³
PS/kW: 21,2 PS/15,6 kW
maximales Drehmoment: 22 Nm bei 5000 U/min

stufenloses Variomatik-Getriebe.

Fahrwerk: Selbsttragende Stahlblech-Karosserie; Mono-Federbein an gezogener, einarmiger Kurzschwinge vorne, EInarmschwinge mit hydraulischen Doppelstoßdämpfern und  einstellbarer Feder-Vorspannung hinten; Federweg v./h. 86/101 mm; vorne und hinten je eine Scheibenbremse (220 mm), ABS; Leichtmetallfelgen mit Reifen der Dimension 120/70-12 vorne und 130/70-12 hinten.

Maße (LxBxH):1930 x 755 x 1170 mm
Sitzhöhe: 790 mm
Radstand: 1375 mm
Zuladung: 182 kg/Gewicht fahrfertig: 158 kg
Tankinhalt: 8,5 Liter
Spitze:118 km/h
 
Testverbrauch:  3,8 l/100km

Preis:6599 €/Preis Testroller:6599 €
Motorbezogene Versicherungssteuer: 83,40 €

 

( motor.at , schön ) Erstellt am 21.03.2018