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Classic
05/26/2022

VW Raupenfuchs: Dieser Pisten-Bulli hat Wiener Wurzeln

Eine Version des VW T1 für das hochalpine Gelände wurde jetzt von VW restauriert

So wie es einst Ferry Porsche gesagt und getan hatte, machte es auch Kurt Kretzner. Der Volkswagen-Mechaniker aus Wien kam in den 60er-Jahren zur Erkenntnis, dass er den Wagen, von dem er träumte, nirgendwo finden konnte. "Also beschloss ich, ihn mir selbst zu bauen", sagte Kretzner. Er hatte festgestellt, dass es in den Bergen Österreichs einen Mangel an hochgradig geländegängigen Transportern gab. Solche, die für Jedermann leicht zu fahren waren und doch zur höchsten Alm locker emporsteigen konnten.

Er hatte 1962 einen Volkswagen T1 gekauft, den er eine Zeit lang als normalen T1 nutzte. Mehr als vier Jahre konstruierte und baute der Erfinder dann den so genannten Raupenfuchs. Zwei „Füchse“ entstanden wohl bis 1968, beim dritten stockte dann die Produktion.

Kretzner baute den Bulli zu einem T1 mit vier Achsen um – zwei davon mit einem Kettenantrieb ausgerüstet. Vorne hat der T1 eine gelenkte Doppelachse mit grobprofilierten 14-Zoll-Zwillingsreifen, hinten eine ebenfalls doppelte Achse mit Kettenantrieb. Die Ketten waren auf 13-Zoll-Räder montiert und eine Eigenkonstruktion aus Aluminiumelementen mit zwei Zentimeter dicken Gummiblöcken.

Durch die doppelte Vorderachslenkung ergab sich ein Wendekreis von unter zehn Metern. Kurt Kretzner wollte einen Kettenwagen bauen, der sehr einfach zu steuern sein sollte. Exakt aus diesem Grund entschied sich der Mechaniker nicht für eine Lenkung über Ketten auf allen Achsen wie bei einer Planierraupe, sondern für eine Halbkette (nur auf den Antriebsachsen) und eine fast normale, wenn auch doppelt ausgeführte Vorderradlenkung. Und so bewarb der Erfinder den Raupen-Fuchs auch: „Das neue, ideale, leicht zu bedienende Raupen-Fahrzeug mit dem Sie sicher und bequem jedes schwierige Gelände meistern. Schnee, Sand, Steine, Almwiesen, Moore, kleine Bäche und Wälder können Sie mit diesem Gerät befahren.“

1985 tauchte der T1 ein letztes Mal in Wien auf, bevor er Anfang der 1990er-Jahre vom Porsche-Museum Gmünd gekauft wurde. Dann ging das Fahrzeug in den Besitz der Bullikartei e.V. (eine Gemeinschaft von Liebhabern der ersten Bulli-Generation) über. Der Versuch einer Restaurierung scheiterte und 2018 kam der Raupen-Fuchs in die Sammlung von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer.

Die 60 Jahre alte Karosserie wurde, wie bei allen Werksrestaurierungen in Hannover, vom Lack befreit, instandgesetzt, KTL-beschichtet und im weitgehend originalen Orangeton neu lackiert. Mattes Orange deshalb, damit – so die Intention damals – der Raupen-Fuchs in der schneebedeckten Landschaft und unwegsamen Gelände sofort erkennbar war. Das Team von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer versetzte auch die Technik in den Neuzustand. Im Frühjahr 2022 war das Werk schließlich vollendet. Und nun überzeugt der Raupenfuchs wieder mit seinen Geländeeigenschaften auf verschneiten Steilhängen.

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