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07/09/2012

BMW M6: Ein Typ voller Gegensätze

Faszinierender und endloser Schub, famoses Doppelkupplungsgetriebe, mit Carbon- oder Fetzendach. Freilich: Unter 150.000 Euro spielt sich wenig ab.

von Christian Vavra

Die technischen Zutaten und auch das Rezept stammen aus dem Modellbruder M5. Zehnzylinder raus, Achtzylinder rein, zwei Turbolader dazu ("Twin Scroll Twin Turbo Aufladung"). Fertig ist der Gottseibeiuns aller Vernunftgeladenen.

4,4 l Hubraum sind in diesem Fall gut für flockige 560 PS (zwischen 6000 und 7000 Umdrehungen/min), 600 Nm Drehmoment (zwischen 1500 und 5750 Umdrehungen/min) sowie einen Verbrauch von 9,9 Litern/100 km im Coupé oder 10,3 l im Cabriolet. Sagt jedenfalls BMW. 14 Liter geradeaus werden für den Stadtverkehr veranschlagt. Wer in der Praxis drei bis vier Liter drauflegt, wird der Realität durchaus nahe kommen.

DKG

Tatsächlich hinterlässt der M6 zwei völlig gegensätzliche Eindrücke. Einerseits wirkt er subjektiv nicht gar so angeschärft wie der M5, obwohl sich natürlich auch hier allerlei Fahrmodi einstellen lassen, von Komfort bis übergeschnappt. Als Cabrio verleitet er zu untertourigem Gondeln, das er mit tiefem Brabbeln des Motors und mit dem freiwilligen Einsatz des sechsten Ganges des (sehr guten) Doppelkupplungsgetriebes (DKG) bei nur 60 km/h quittiert. Und andererseits knöpft er dem M5 von null auf 100 km/h (beim Coupé in 4,2 sec.) nach Werksangaben sogar zwei Zehntelsekunden ab, obwohl er nur rund 20 kg leichter als ein M5 ist.

Man habe dem M6 bewusst eine "gänzlich andere Charakteristik" gegeben, sagen Ingenieure der Sporttochter M GmbH dann gerne, und man glaubt ihnen aufs Wort. Auf gesperrtem Geläuf geht das Coupé ab wie eine Kanonenkugel, schiebt und drückt und schiebt und drückt, als gäb’s kein Morgen. Trotz aktivem Achsdifferenzial hinten und einer perfekten Fahrwerksabstimmung hat die Stabilitätskontrolle bei solch einem Kraftüberschuss natürlich ständig alle Elektronen voll zu tun.

Das Dach ist beim Coupé aus carbonfaserverstärktem Kunststoff, wie schon im M3. Was auf den ersten Blick ein bissl erstaunt, ist der Preisabstand innerhalb der 6er-Palette. Das Coupé als 650i (450 PS) ist ab rund 100.000 Euro zu haben. Wer M sagt, muss dagegen mindestens 142.950 auslegen, da fangen dann die Aufpreislisten erst an. Für das Cabrio sind ganz genau 10.000 Euro mehr fällig.