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© Philip Platzer Red Bull Content Pool

11/12/2021

Vollgas ohne Einschränkung

Am Red Bull Ring können nun auch Rollstuhlfahrer Fahrtrainings unter Anleitung von Profis absolvieren. Wir waren beim ersten Kurs dabei

von Michael Andrusio

Der Instruktor weiß, wie man Fahrtechniktrainings abhält. Im Winter ist Reini Sampl als Lehrer bei den Winterfahrtrainings in Salzburg im Einsatz. Und er sitzt seit einem schweren Skiunfall im Rollstuhl – so wie seine Schützlinge an dem strahlend schönen Herbsttag am Red Bull Ring.

Dass man am Ring mit PS-starken Autos unter Leitung von Instruktoren seine Runden drehen kann, ist soweit nicht neu. Neu ist hingegen, dass nun auch Fahrzeuge für Rollstuhlfahrer vorbereitet werden können, die dann damit ihre Fahrtrainings absolvieren. Genau wie jene, die nicht im Rollstuhl sitzen. „Mission Handgas“ nennt sich das neue Projekt für den Spielberg. Fürs erste Event kamen einige prominente Teilnehmer. So Lukas Müller, der seit einem schweren Sturz beim Skifliegen auf den Rollstuhl angewiesen ist, Philipp Kuttin, früher nordischer Kombinierer, Mono-Skirennläufer Markus Gfatterhofer oder Paralympics-Medailliengewinner Pepo Puch.

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Einige Porsche 718 Cayman S wurden auf Handsteuerung umgebaut und neben Reini Sampl ist auch Ex-Formel-1-Pilot Patrick Friesacher als Instruktor im Einsatz. Er erklärt die Besonderheiten des 350-PS-Sportwagens und für die meisten ist die Fahrt in so einem starken Mittelmotor-Wagen eine ganz neue Erfahrung. Die viel Spaß macht, wie sich schnell herausstellt. Slalomfahren im Trockenen und im Nassen oder richtiges Bremsen, alles wird im Fahrtechnikzentrum geübt. Auf der Driftfläche erweisen sich einige schnell als überaus talentiert, den Sportwagen im Drift im Kreis zu zirkeln. Wie bremst man richtig, lautet eine Frage. „Voll“ sagt Reini Sampl und verweist auf die Wirkungsweise des ABS. Wie es ist, so einen Sportwagen mit Handsteuerung „voll“ zu bremsen und überhaupt so ein umgebautes Auto zu bewegen, darf auch unsereiner ausprobieren.

Selbstversuch

Der Umbau auf Handsteuerung ist überraschend einfach. Ein mechanisches System überträgt via Gestänge den Druck aufs Gas- oder Bremspedal. Hebel nach vor Drücken zum Bremsen, einen kleinen Hebel nach unten drehen, wenn man Gas geben will. Geschaltet wird im Porsche sowieso vom Doppelkupplungsgetriebe. Das Gefühl fürs korrekte Beschleunigen und Bremsen hat man überraschend schnell verinnerlicht, anstrengender ist es, das Auto nur mit einer Hand durch den Slalomparcours zu lenken. Man zieht den imaginären Hut vor den Teilnehmern, die weitaus länger und intensiver im Porsche trainieren bzw. privat tagaus und tagein in einem umgebauten Auto unterwegs sind.

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Mit Brems- und Driftübungen ist es nicht getan. Im zweiten Teil fährt man auf dem Grand Prix Kurs. Hinter Reini oder Patrick geht es im Konvoi um den Kurs und langsam gefahren wird dabei absolut nicht. Künftig werden das ganze Jahr über ein Cayman S und ein Cayman GT4, die von den Spezialisten der Firma Veigel umgebaut werden, zur Verfügung stehen.

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„Es war wirklich Weltklasse, mit diesen Sportwagen auf einer echten Rennstrecke zu fahren, die Geschwindigkeit und die 300 bis 400 PS zu spüren. Die Bedienelemente sind perfekt eingebaut, es fühlt sich einfach genial an“, sagt ein sichtlich begeisterter Lukas Müller nach seinen Fahrten am Ring. Und Reini Sampl hat schon früher für sich festgelegt: „Aufgeben ist selten eine Option. Man soll nach vorne schauen, sich neue Ziele setzen und mit dem arbeiten, was verblieben ist und nicht dem nachjagen, was man nicht mehr kann.“

Info: Projekt Spielberg

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