News 13.12.2017

Jaguar I-Pace: Unterwegs im Briten aus Graz

© Bild: WERK

So fährt es sich in dem Tesla-Jäger von Jaguar, der in Österreich gebaut wird und im nächsten Juni startet

Solche Gelegenheiten bekommt man nicht oft.

Schließlich ist die gesamte Fachwelt hinter dem ersten reinen Elektroauto von Jaguar her, das ab Mitte nächsten Jahres als Tesla-Alternative für Elektro-affine Kunden bereitstehen soll, die lieber der Autobau-Expertise eines erfahrenen Großserien-Herstellers vertrauen.

Aber der Motor-KURIER war unter der handverlesenen Schar weltweit ausgesuchter Medien, denen die Jaguar-Entwickler einen ersten direkten Eindruck von den Fähigkeiten ihres Stromers geben wollten. Auf einer Tour durch Downtown Los Angeles mit einem Erprobungsmodell der Serienversion des Jaguar I-Pace am heißen Sitz von Entwicklungsingenieur Simon Patel konnte der Erstkontakt mit dem künftig bei Magna-Steyr in Graz vom Band laufenden Premium-Stromer hergestellt werden.

Erster Eindruck des 4,68 m langen I-Pace im normalen Straßenverkehr: Trotz seines angele gten Tarnkleides wirkt er au ßen kleiner, als er es innen tatsächlich ist. Der Wegfall von platzfressenden Aggregaten wie Motor, Getriebe oder Antriebswelle erlaubte es den Designern rund um Ian Callum, eine Form zu finden, die viel Platz für bis zu fünf Passagiere (der Mittelsitz hinten ist Erwachsenen jedoch nur auf Kurzstrecken zuzumuten) plus Gepäck zulässt, oh ne bei den Außenabmessungen in übliche Jaguar-Limousinen-Dimensionen vorstoßen zu müssen.

Was die Geräuschkulisse angeht, so gab man sich laut Si mon Patel große Mühe, die hohen Töne eines E-Motors weitgehend wegzufiltern. Das geschah zum Teil durch Maßnahmen direkt an den beiden Motoren (einer treibt die Vorder-, einer die Hinterachse an) zum größeren Teil jedoch durch umfangreiche Dämmung.

Und tatsächlich kann der I-Pace akustisch zwar nicht verleugnen, welcher Fraktion er angehört, das sonst vor allem bei vollem Leistungsabruf so charakteristische hohe Surren von E-Antrieben trat während der Testrunde aber nie penetrant auf. Auch nicht beim katapultartigen Ampelstart, zu dem der in dieser Hinsicht sehr sportliche I-Pace (Gesamtleistung 294 kW / 400 PS) von Mr. Patel zu Demonstrationszwecken kurzfristig aufgescheucht wurde.

Jaguar I-Pace
Jaguar I-Pace © Bild: WERK

Zwei Fahrprogramme

Als Fahrprogramme stehen nur zwei Stufen zur Verfügung. Anders als etwa VW (viele über ei nen Hebel analog zu Gängen eines Automatik-Getriebes auswählbare Stufen mit unterschiedlich starker Rekuperation) gibt Jaguar dem Piloten nur zwei Möglichkeit in die Hand. Entweder mit sehr geringer Bremswirkung (wenig Rekuperation) dahinzurollen oder mit starker Rekuperation mehr Strom in die Bord-Batterie zu rückzuladen.

Für den ersten Fall hat man versucht, die Fahrcharakteristik eines normalen Verbrennungsmotors zu simulieren.

In letzterem Fall kann die Fuhre weitgehend auch nur mit dem Fahr-(früher Gas-)Pedal bewegt und die Bremse geschont werden.

Über die tatsächliche Reichweite des I-Pace lässt sich nach der Los-Angeles-Tour zwar noch keine seriöse Angabe machen, angepeilt sind von Jaguar aber abseits des Norm-Messverfahrens im realen Alltagsverkehr an die 400 km. Wie viel das im wirklichen Leben bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen dann sein werden, wird erst der Praxistest unter heimischen Bedingungen im kommenden Jahr zeigen.

Der erste direkte Kontakt mit dem I-Pace zeigte jedoch bereits, dass er das Zeug dazu hat, der hohen Erwartungshaltung an den ersten elektrischen Jaguar der Automobilgeschichte durchaus entsprechen zu können.

Entwickler Patel erklärt dem Autor den E-Jaguar © Bild: WERK

Fakten

Der Jaguar I-Pace wird bei Magna-Steyr in Graz gebaut und soll im Juni kommenden Jahres auf den Markt kommen.

Bei einer Länge von 4,68 m verfügt er über einen Radstand von 2,99 m und damit über ein sehr geräumiges Passagierabteil für bis zu 5 Personen und ein Kofferraumvolumen von 530 l im Heck plus 38 l im Bug.

Angetrieben wird er von zwei in Vorder- und Hinterachse platzierten Elektromotoren (Permanentmagnet-Synchronmotoren), die es auf eine Gesamtleistung von 294 kW (400 PS) und ein maximales Drehmoment von 700 Nm bringen. Als Energiespeicher dient eine flüssigkeitsgekühlte Lithium-Ionen-Batterie (90 kWh). Angepeilte Reichweite nach NEFZ-Messung: 500 km, was laut Jaguar im normalen Verkehr für rund  380 bis 400 km reichen sollte.

Die endgültigen Homologationsdaten werden im März auf dem Autosalon in Genf bekannt gegeben. Bis dahin sollte auch über die angepeilten Preise Klarheit herrschen.

( motor.at ) Erstellt am 13.12.2017