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13.03.2017

PSA-Chef Tavares: "Ich will, dass Opel deutsch bleibt!"

PSA-Chef Carlos Tavares im Gespräch über die Zukunft von Opel als eigenständige Marke, die Verluste der vergangenen 10 Jahre und wer den ersten Schritt zum jetzt abgeschlossenen Deal mit General Motors gesetzt hat.

Er war der gefragteste Interviewpartner auf dem Genfer Autosalon. Carlos Tavares, der Mann, der den PSA-Konzern vor dem Bankrott bewahrt und in den vergangenen vier Jahren so weit saniert hat, dass er sich jetzt die Übernahme von Opel leisten konnte, sprach mit dem KURIER als einzige österreichische Tageszeitung über ...

... das Opel-Werk in Wien

"Meine Botschaft an die Menschen dort lautet genauso wie die an alle anderen Opel-Werke in Europa auch. Wir stehen vor der Situation eines Unternehmens, das seit zehn Jahren Verluste macht. Das ergibt ein großes Fragezeichen über die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Wir wollen Opel und Vauxhall dabei helfen, da herauszukommen. Und wir glauben, dass wir das tun können, weil die Situation von Opel und Vauxhall sehr ähnlich ist jener der PSA-Gruppe vor vier Jahren. Wenn wir unsere Erfahrungen bei der Sanierung hier teilen, können wir dabei helfen, die beiden Marken wieder profitabel zu machen. Und wenn wir das schaffen, dann haben die Werke wieder eine Zukunft – auch das in Wien. Die Botschaft ist also sehr einfach: Wir sind hier, um euch dabei zu helfen, noch effizienter zu werden. Und wenn ihr sehr effizient seid, könnt ihr euch schützen, weil ihr zum Gewinn des Unternehmens beitragen werdet."

... die Rechte zur Nutzung des Opel Ampera-e

"Das ist ganz einfach. Für alle Modelle, bei denen wir geistiges Eigentum von General Motors nutzen, bleibt alles wie bisher. Sie werden auf den selben Märkten eingesetzt wie von General Motors für Opel vorgesehen, aber nicht darüber hinaus. Sobald wir jedoch zu selbst entwickelter Technik wechseln, sind wir frei, die jeweiligen Modelle einzusetzen, wo wir wollen. Den Ampera-e können wir so lange nutzen, bis wir als PSA unsere eigene Elektro-Plattform fertigentwickelt haben, was 2019 der Fall sein wird."

... die mögliche Internationalisierung von Opel

"Wir müssen da ganz fair zu den Mitarbeitern sein. Wenn man jetzt sagt, mit PSA können wir endlich auf neue Märkte und nach Übersee gehen, dann stimmt das natürlich. Aber man darf dabei nicht vergessen, dass man dafür sehr wettbewerbsfähig sein muss bei den Kosten, dass man ein sehr gut ausgestattetes Produkt braucht und die Qualität sehr hoch sein muss. Wenn diese drei Voraussetzungen nicht gegeben sind, dann wird sich ein Business-Plan für den Marktstart in Übersee nicht rechnen."

... Opel als deutsche Marke

"Für uns ist es sehr wichtig, dass Opel weiterhin als deutsche Marke wahrgenommen wird. Wenn das nicht mehr der Fall wäre, würde wir unsere französischen Marken im Konzern nicht ergänzen können. Ich will, dass Opel deutsch und Vauxhall britisch bleibt. Und das sage ich nicht nur, um den Deutschen und den Briten zu gefallen, sondern weil es sinnvoll für das Geschäft ist. Das macht die Stärke unseres Markenportfolios aus, mit dem wir weltweit wachsen wollen."

... die künftige Autonomie des Opel-Managements

"Die Freiheit ist direkt proportional zur Profitabilität. Je profitabler du bist, desto mehr Freiheiten hast Du. das gilt auch für mich gegenüber meinem Aufsichtsrat. Wenn ich gute Resultate abliefere, dann kann ich vieles machen. Liefere ich schlechte Resultate, dann habe auch ich meine Aufseher im Genick."

... den heutigen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann

"Wir gehen da sehr freundschaftlich vor. Alle unsere Erkenntnisse aus der eigenen Sanierung liegen auf dem Tisch und wir erwarten, dass das Opel-Management unter der Führung von Herrn Neumann daraus seinen eigenen Turnaround-Plan für Opel und Vauxhall macht, den wir unterstützen. Wenn der funktioniert, dann werden sie selbst auch die Helden dieser Sanierung sein. Und je erfolgreicher sie danach sind, desto mehr Autonomie werden sie haben. In die Führung der Marke selbst, was Positionierung und Marketing betrifft, werden wir uns ganz sicher nicht einmischen."

. . . über den Impuls zu den Übernahme-Verhandlungen

"Es war eine Initiative von General Motors. Man ist im Herbst damit auf uns zugekommen. Aber Mary Barra und ich kennen uns ja schon sehr lange und man hat uns eben gefragt, ob wir uns das vorstellen könnten. Und ich bin immer offen für Vorschläge und bereit, mir diese zu überlegen."