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© Mercedes

Fahrbericht
11/28/2019

So fährt sich der neue Mercedes GLB

Geglückter Lückenschluss zwischen GLA und GLC.

Trotz des ohnedies sehr breit gefächerten SUV- und Geländewagenangebots des schwäbischen Premiumherstellers gibt es eine Lücke.

Besser: Gab es eine – denn die wird bald geschlossen.

Ab Frühjahr ’20 offeriert Mercedes nämlich zwischen dem kompakten GLA und dem Mittelklasse-SUV GLC den GLB.

Der basiert zwar auf der Kompaktwagen-Plattform des Hauses, auf der auch A-Klasse, CLA und B-Klasse stehen, mit einer Länge von 4,63 Meter passt der neue Schwaben-Crossover aber eigentlich nicht mehr wirklich in dieses Segment.

Wie auch immer: Mit der Lancierung des GLB, der als SUV-Neuling auf so renommierte Premium-Konkurrenz wie Q3 (Audi), X3 (BMW) oder den XC 40 von Volvo trifft, vergrößert sich die Mercedes-Crossover-Palette auf nunmehr bereits sechs Fahrzeuge, wobei da die ultra-geländefähige und ebenfalls noch ziemlich neue elitäre G-Klasse schon mitgerechnet ist.

Als erstes Kompaktfahrzeug von Mercedes verfügt der GLB (auf Wunsch) über eine faltbare dritte Sitzreihe mit zwei zusätzlichen Einzelsitzen – die aber in erster Linie nur für Kinder und Jugendliche bis zu einer Körpergröße von 1,68 Meter zumutbar ist, erweist sich die Kletterpartie ins Wagenheck für größere (und ältere, wenig gelenkige) Mitreisende doch als einigermaßen schwierig. Trotzdem: Dank eines Radstands von großzügigen 2,83 Meter braucht sich niemand im hinteren Passagierabteil über beengte Platzverhältnisse zu beschweren, fallen doch sowohl Bein-, wie auch Knie- und Kopffreiheit ausgesprochen opulent aus.

Variabler Innenraum

Dazu kommt, dass sich die zweite Sitzreihe für mehr Beinfreiheit (oder – je nachdem – für mehr Platz im Kofferraum) um vierzehn Zentimeter verschieben lässt und die Lehnen dreiteilig im Verhältnis 40:20:40 umklappbar sowie auch in der Neigung verstellbar sind. Das durchgehend ebene Cargoabteil bietet zwischen 570 und fernreisetaugliche 1805 Liter Ladevolumen.


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Bild links: © Mercedes

Bild rechts: © Mercedes

Damit ergibt sich automatisch eine direkte Überleitung zur Karosserie: Steil stehende Seitenscheiben ergeben zusammen mit dem fast waagrechten Dach und dem steilen Heckabschluss nicht nur eine optische Verwandtschaft zum großen GLS, sondern sind auch verantwortlich für den alles in allem fülligen Rauminhalt.

Nur Vierzylinder

Die Antriebspalette setzt sich ausschließlich aus Vierzylindermotoren zusammen, sechs oder gar acht Häferln gibt’s nicht. Dafür aber einen Diesel – heutzutage, wie man weiß, keineswegs mehr selbstverständlich.

Das Selbstzünderangebot umfasst drei Versionen des auch in etlichen anderen Benz-Baureihen verwendeten Zweiliter-Vierzylinders: Die Basis bildet der GLB 180d mit 116 PS, darüber rangieren der 200d mit 150 und der 220d mit 190 PS. Für die Kraftübertragung aller drei Motorvarianten ist ein 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zuständig.

Bei den Benzinern stehen zwei Antriebe zur Wahl: Als Basis-Otto fungiert im GLB 200 ein kleiner 1,3-Liter mit 163 PS, der an ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist. Top-Benziner ist der GLB 250, der aus zwei Liter Hubraum 224 PS schöpft und mit einem 8-Gang-DKG verzahnt ist. Alle Triebwerke sind penibel abgasgereinigt und bereits nach Euro 6d (ohne Temp) zertifiziert. Ein Hybrid ist nicht vorgesehen, weil Ende 2020 eine rein elektrische Variante mit der Bezeichnung EQB auf den Markt kommen soll.

An der Spitze der Modellhierarchie steht der AMG 35, der aber, wie vielleicht zu vermuten ist, keineswegs von einem 3,5-Liter-Triebwerk, sondern von einem profanen 2,0-Turbo angetrieben wird: 306 PS und 400 Newtonmeter reichen jedenfalls auch so und sorgen für stimulierende Fahrdynamik.

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Allrad verfügbar

Allradantrieb? Ja, gibt’s, aber nur im 224 PS starken Benziner (GLB 250) sowie in den Versionen mit 150 (200d) und 190-Diesel-PS (220d).

Erste Testkilometer offenbaren: Im Fahrbetrieb auf der Straße ist eine Momentenverteilung von 80:20 (vorn/hinten) aktiv, im Offroad-Modus wird die Lamellenkupplung an der Hinterachse als Längssperre verwendet, die Basiskraftverteilung beträgt dann 50:50. Kurze Karosserieüberhänge erweisen sich im Gelände von Vorteil, wegen der mit 140 mm ernüchternd geringen Bodenfreiheit stößt der GLB-Pilot in anspruchsvollerem Terrain aber schnell an die Grenze des Möglichen.

Im hervorragend verarbeiteten Innenraum sieht es so aus wie in jedem Mittelklasse-Mercedes, aufgeräumt und vertrauenserweckend solide, das Fahrwerk hält grobe Verwerfungen gekonnt von den Insassen fern und das Automatikgetriebe verschleift ebenso fugenlos wie mit entspannter Unaufgeregtheit die einzelnen Fahrstufen.

Die Markteinführung ist bei uns für Frühjahr ’20 terminisiert, Preise gibt’s auch schon: Der Basis-Diesel kostet € 41.650,–, die billigste Otto-Variante kommt auf € 42.560,–.

Der Tarif für den AMG steht noch nicht fest.