VW shows electric SUV "ID 4" during a photo workshop

© REUTERS / MATTHIAS RIETSCHEL

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02/10/2022

VW schränkt Händlern in Deutschland E-Auto-Bestellung ein

Laut Medienbericht erhalten Händler in Deutschland strikte Quoten bei ID. 3 und ID. 4.

Der deutsche Autohersteller VW drosselt laut einem Medienbericht im Heimatland die Verkäufe von Elektroautos. Händler erhalten von Volkswagen strikte Quoten für die beiden E-Modelle ID.3 und ID.4, berichtet die Automobilwoche unter Berufung auf ein internes Schreiben. Bei einem Jahresziel des Vertriebspartners von bis zu 999 Fahrzeugen können demnach 15 ID.3 und 25 ID.4 bestellt werden.

In Österreich gibt es laut dem Generalimporteur keine  entsprechenden Vorgaben. "Sowas gibt es in Österreich nicht", erklärte Hermann Prax, Sprecher der Porsche Holding Salzburg. Hierzulande würden Importeur und Händler zu Jahresanfang gemeinsam die Ziele vereinbaren. Der Händler sage, welche Autos er möchte und der Händler verpflichte sich, diese zu liefern. Welche Modelle abgerufen werden und wie hoch der Anteil der batteriebetriebenen Fahrzeuge ist, sei regional sehr unterschiedlich. Derzeit sei jedes siebente neu gekaufte Auto ein rein elektrisches, so Prax.

Aufgrund des weltweiten Chipmangels könne es aber passieren, dass nicht alle Autos verfügbar seien oder sich Lieferzeiten verlängern. Auch wenn der Händler bei einem Modell über das bestellte Kontingent hinaus weitere Fahrzeuge anfordert, verlängerten sich die Lieferziele. Dafür gebe während des Jahres Anpassungsgespräche mit den Händlern, erklärte der Pressesprecher.

Aufgrund der Verwerfungen in den Lieferketten durch die Corona-Pandemie sind seit einiger Zeit nicht alle Versionen der VW-Elektroautos ID.3 und ID.4 verfügbar, insbesondere die Grundmodelle. Auch deshalb sind derzeit viele Neuwagen mit langen Wartezeiten verbunden. Dazu kommt die steigende Nachfrage nach Batterie-Modellen, getrieben durch Förderungen und insbesondere durch Steuervorteile bei Firmenwagen. Bei Autos, die beim Fahren kein klimaschädliches CO2 ausstoßen, fällt in Österreich bei privater Nutzung nämlich kein Sachbezug an.

In Deutschland warten Kunden laut Händlern aktuell rund zwölf Monate auf einen ID.3. Volkswagen selbst sprach gegenüber der "Automobilwoche" von einer Lieferfrist von "mehr als neun Monaten". Auch bei anderen Marken des VW-Konzern brauchen Käuferinnen und Käufer Geduld. Der SUV Audi Q4 e-tron wird demnach erst wieder Mitte 2023 ausgeliefert und die teilelektrische Version des Škoda Octavia kommt dem Handel zufolge erst wieder im August 2023. Škoda selbst spricht, wie es in dem Bericht heißt, offiziell von einer Lieferfrist "deutlich über einem Jahr".

Nachtschichten fallen weg

Die zähe Lieferkrise bei Mikrochips und weiteren wichtigen Elektronik-Bauteilen zwingt Volkswagen ab Mitte April voraussichtlich zur Streichung nahezu sämtlicher Nachtschichten am Stammsitz Wolfsburg. Demnach dürfte in der größten Autofabrik der Welt in der Zeit nach den Osterfeiertagen vorerst nur noch auf einer Montagelinie auch nachts gearbeitet werden - überall sonst greift dann wohl ein Zwei- statt Dreischichtbetrieb. Hintergrund ist der Teilemangel bei Halbleitern. Dieser führt seit Monaten in der gesamten Industrie zur Versorgungsengpässen und blockiert insbesondere in der Fahrzeugbranche Produktion und Auslieferungen.

Bei VW ist von einer "dramatischen Unterauslastung des Stammwerks" die Rede, die jetzt spürbare Folgen für das Schichtsystem habe. So fallen den Plänen des Managements zufolge demnächst alle Nachteinsätze der Beschäftigten in der Golf-Fertigung weg. Beim ebenfalls stark nachgefragten Klein-SUV Tiguan ist eine komplette Linie betroffen. Weiterlaufen soll nachts zunächst nur die Arbeit an der Montagestrecke, die neben dem Touran und Tarraco auch für das restliche Tiguan-Volumen zuständig ist.

Der Betriebsrat ist davon nicht begeistert. "Wir haben diese Vorhaben des Unternehmens zur Kenntnis genommen", meinte die Vorsitzende Daniela Cavallo. Sie hatte angesichts der Versorgungsprobleme von der Konzernleitung um Vorstandschef Herbert Diess bereits im Herbst ein entschlosseneres Gegensteuern statt neuer Spardiskussionen gefordert.

Cavallo betonte nun: "Unsere Kolleginnen und Kollegen können nichts dafür, dass die Auftragsbücher überquellen, wir aber wegen des Halbleitermangels nicht auf die nötigen Stückzahlen kommen." Sollten die Nachtschichten inklusive der entsprechenden Zuschläge wegfallen, habe die Belegschaft Anspruch auf einen Ausgleich für den Gehaltsverlust. "Etwas Anderes wird mit uns nicht zu machen sein."

Über das ganze Jahr 2021 hinweg waren bei VW, aber auch anderen Autokonzernen wochen- oder monatsweise Schichten ausgefallen. Die Kurzarbeit nahm wieder zu, nachdem die Branche zuerst geglaubt hatte, die ärgsten Ausfälle durch den Corona-Nachfrageeinbruch überwunden zu haben. Aber viele neue Bestellungen konnten wegen Materialmangels nicht abgearbeitet werden - Beschäftigung fiel weg, Leiharbeitnehmer mussten schon gehen. Es bildeten sich "Halden" halbfertiger Fahrzeuge auf dem Werksgelände.

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