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Tests
08/18/2022

Erstmals mit dem Alfa Romeo Tonale auf heimischen Straßen

Was das Kompakt-SUV der Italiener aus der viel genutzten Konzern-Technik von Stellantis macht und wo er ein echter Alfa ist

von Horst Bauer

Die Alleskommentierer im Netz sind sich einig in der (Vor-)verurteilung des Tonale. Was soll das schon für ein Alfa sein, der weitgehend die idente Technik nutzt, die bereits bei den anderen Stellantis-Konzernmarken von Peugeot bis Opel verwendet wird.

Zeit also, das erste kompakte SUV von Alfa Romeo im Alltagsverkehr unter die Lupe zu nehmen. Zumal die bei der Fahrvorstellung des Tonale im Mai zu gewinnenden Erkenntnisse beschränkt waren.

Was beim Erstkontakt damals jedoch schon klar wurde, hat sich bestätigt. Nicht nur das Erscheinungsbild des Tonale, auch die Gestaltung des Cockpits spricht ganz klar die Alfa-Sprache. So werden etwa auf dem Monitor vor dem Lenkrad zwei klassische Rundinstrumente dargestellt, für die wichtigsten Befehle an den Bordcomputer gibt es analoge Tasten und der Lautstärkeregler ist als Walze mit gerippter Oberfläche sehr detailverliebt ausgefertigt.

Apropos Liebe zum Detail: Ein erfreuliches Ergebnis davon ist auch die sinnvolle Lösung, die Reichweite in Zahlen direkt neben der Tankanzeige zu platzieren,

Abgesehen davon, werden sich Nutzer eines aktuellen Peugeot, Citroën oder Opel auch im Tonale rasch zurechtfinden. Nutzen doch alle Stellantis-Marken die gleiche Infotainment-Architektur. Zu der leider auch hier die etwas plumpe Grafik der TomTom-Navi und die mitunter etwas begriffsstutzige akustische Befehlsannahme zählt.

Ein echter Alfa?

Ob der Tonale als „echter“ Alfa Romeo durchgeht, entscheidet sich aber letztlich auf der Straße. Und da hat das getestete Modell mit dem 160 PS starken Hybrid-Antrieb samt 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe an sich gute Karten. Die Gefahr, als untermotorisiert zu gelten, besteht also nicht. Selbst der Klang des von einem 15-kW-E-Motor unterstützten Vierzylinder erinnert beim Starten entfernt an den typischen Alfa-Sound.

Einmal in Fahrt, bietet er dank der zur Verfügung stehenden drei Fahrprogramme ausreichend Bandbreite. Die Spreizung zwischen Eco-Programm und der Dynamik-Abteilung ist erfreulich deutlich. Die Wahl, ob benzinsparend dahingesegelt oder sportlich zugelangt werden soll, trifft der Pilot via Drehrad.

In jeder Gangart auszeichnen kann sich das sehr gut abgestimmte Fahrwerk. Die Seitenneigung der Karosse hält sich auch bei flotter Gangart in magenschonenden Grenzen. Dennoch werden Bodenunebenheiten weitestmöglich glattgebügelt, ohne allzugroße Härte an den Tag zu legen.

Leichtgängige Lenkung

Was die Lenkung betrifft, ergab der Zweitkontakt ein differenzierteres Bild als bei der ersten Ausfahrt. Bei geringem Tempo auf den engen Straßen um den Comer-See fiel hauptsächlich ihre Präzision auf. Ihre dort noch willkommene Leichtgängigkeit zeigte sich hingegen bei flotterer Gangart auf freiem Geläuf nicht immer von Vorteil. Selbst im Dynamik-Modus könnte sie durchaus etwas mehr Steifigkeit vertragen, um die Vorgänge auf der Fahrbahn besser abzubilden.

Hybrid-Antrieb

Zum Kapitel Antriebsstrang ist zu vermelden, dass man sich hier eben mit einem Hybridauto vorwärtsbewegt. Die automatische Portionierung der Kraft durch das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und die Abstimmung des Benziners mit dem E-Motor lässt da und dort kurze Nachdenkpausen entstehen. Wer also stets auf unmittelbare Leistungsentfaltung (eine alte Alfa-Tugend) steht, sollte die Schaltwippen bedienen.

Auf der Haben-Seite steht dafür ein realer Verbrauchsschnitt im Test von rund 7,5 l/ 100 km. Was für einen 160-PS-Benziner in einem SUV-Gehäuse herzeigbar ist.

Unterm Strich setzt sich der Tonale von seinen Konzern-Verwandten in vielen Punkten doch deutlich ab. Die Frage, ob er ein echter Alfa ist, bleibt rhetorisch.

Einen mit Vollhybrid-Antrieb hat es eben bisher noch nie gegeben.

Antrieb Voll-Hybrid mit 1,5-l-4-Zylinder-Turbo-Benziner und 15-kW-E-Motor, Leistung 160 PS, maximales Drehmoment 240 Nm. Abgasklasse Euro 6D-Final. Getriebe: 7-Gang-DSG, elektronisches Sperrdifferenzial, Frontantrieb.

Fahrleistungen Beschleunigung von 0 -100 km/ in 8,8 sec,  Spitzengeschwindigkeit  210 km/h.

Abmessungen Länge x Breite x Höhe 4.528 x 1.841 x 1.601 mm, Radstand 2.636 mm, Leergewicht 1.600 kg, höchstzulässiges Gesamtgewicht 2.210 kg, zulässiges Anhängelast (gebremst) 1.500 kg, Kofferraumvolumen 500 - 1.550 l, Tankinhalt 55 l.

Verbrauch Normverbrauch 5,7 -6,3 l/100 km (130 - 144 g/km CO2), Testverbrauch 7,5 l / 100 km.

Kosten
Alfa Romeo Tonale 1,5 Hybrid Veloce ab 45.300 €,
Alfa Romeo Tonale  1,5 Hybrid Super (130 PS) ab  35.000 €.
Alfa Romeo Tonale Diesel (130 PS) ab 35.850 € (folgt später im Jahr).

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