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Tests
04/23/2021

Flotter Neuwagen zum Preis eines Gebrauchten

Das kann der neue Dacia Sandero, wenn er nicht um den Titel des billigsten Autos des Landes rittern muss

von Horst Bauer

Zugegeben, die beiden Titel klingen gut.

„Meistverkauftes Privatauto Europas“ ist der Dacia Sandero in den vergangenen Jahren gewesen. Er stand also an der Spitze jener Statistik, in die keine Flottenverkäufe von Pkw einbezogen werden.

Und „Billigstes Auto Österreichs“ ist der neue Sandero mit seinem Listenpreis von 8.790 €.

Dies allerdings nur, wenn man dafür mit einer kargen Ausstattung (keine Nebelscheinwerfer, keine geteilt umklappbare Rücksitzlehne etc.) und mit einem 3-Zylinder-Saugmotor mit 67 PS das Auslangen findet, der schon einmal gut 17 Sekunden braucht, um die Fuhre auf Tempo 100 zu beschleunigen.

Jetzt mit quer liegenden Rücklichtern

Hohe Ladekante erschwert die Befüllung des Kofferraums

Zentraler Bordmonitor als Extra

Was aber kann der vollkommen neu aufgestellte Dacia Sandero, wenn man ihn nicht nur als Preisbrecher sieht, sondern als eine mögliche Alternative zu einem gut ausgestatteten Gebrauchtwagen mit satisfaktionsfähigen Fahrleistungen?

In dem Fall stellt er sich etwa so dar, wie der vorliegende Testwagen: Als Sandero TCe 90 mit Comfort-Ausstattung (um 11.990 €). Mit ein paar zusätzlichen Extras (wie etwa dem Safety-Paket mit akustischer Einparkhilfe, Rückfahrkamera und Toter-Winkel-Warner um 665,50 €) bringt man es so auf einen Gesamtpreis von 14.210 €. Das ist dann doch ein gutes Stück entfernt vom Basismodell. Aber eben nicht nur im Preis, sondern auch in der Leistung.

Flotter Turbo

Rein motorisch gesehen bedeutet das 91 PS aus einem 1-Liter-3-Zylinder-Turbo-Benziner, der den knapp über vier Meter langen Sandero mit ausreichend Temperament versorgt. Wer fleißig im gut schaltbaren 6-Gang-Getriebe umrührt, wird mit flottem Durchzug belohnt, wenn das Motörchen einmal Betriebstemperatur hat. Im kalten Zustand kann es nach dem Anfahren schon etwas Ruckeln. Man lernt aber schnell, den sehr kurz übersetzten 1. Gang rasch hinter sich zu lassen, um beim Einsetzen des Turbos nicht ungewollt an die Drehzahlgrenze zu stoßen.

Was nach über 1.000 Kilometern mit dem Dacia Sandero TCe 90 zwischen Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahn noch aufgefallen ist:

Verbrauch Mit einem Praxisschnitt von 6,7 Litern zählt er nicht zu den Sparweltmeistern. Dank des 50-Liter-Tanks bringt er es aber auf sehr brauchbare Reichweiten.

Lenkung Diese ist sehr leichtgängig und indirekt übersetzt (3,2 Lenkradumdrehungen), was beim Einparken hilft, in Fahrt aber gewöhnungsbedürftig ist.

Kofferraum Der ist glattflächig und mit 328 l bis 1200 l Volumen gut brauchbar. Einzig die hohe Ladekante (610 mm) stört den guten Gesamteindruck. Ein doppelter Kofferraumboden schlägt sich als Extra mit 121 € zu Buche.

Sitze Besser als beim Vorgänger, aber wegen zu kurzer Schenkelauflage und nicht vorhandener Lordosen-Unterstützung eine Herausforderung auf längeren Strecken.

Unterm Strich ist der neue Dacia Sandero nicht nur optisch und motorisch, sowie von der verfügbaren Ausstattung her ein vollwertiges Auto zu einem äußerst scharf kalkulierten Preis. Bewährte Großserientechnik aus dem Renault-Regal und rumänische Produktionskosten machen es möglich.

Antrieb
3-Zylinder-Turbo-Benziner, Hubraum  999 , 91 PS / 67 kW, maximales  Drehmoment 160 Nm, manuelles 6-Gang-Getriebe, Frontantrieb

Fahrleistungen
0 – 100 km/h in 11,7 Sekunden, Spitze 178 km/h

Abmessungen
Länge x Breite x Höhe 4.088 x 1.848 x 1.499 mm, Radstand 2.604 mm, Höhe Ladekante 612 mm, Kofferraumvolumen 328 - 1200 l, Tankinhalt 50 l, Leergewicht 1.127 - 1.147 kg, zulässiges Gesamtgewicht 1.538 - 1.562. Anhängelast gebremst / ungebremst: 1.100 kg / 560 -570 kg

Verbrauch
Normverbrauch 5,8 – 5,1 l/100 km (132 – 119 g/km ), Testverbrauch 6,7 l / 100 km

Kosten
Sandero TCe 90 Comfort: 11.990 €
Preis des Testwagens: 14.210 €

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