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Tests
12/26/2017

Hyundai Ioniq als Plug-in-Hybrid im Test

Wie sich der koreanische Herausforderer des Toyota Prius in der Variante mit Plug-in-Hybrid in der Praxis bewährt.

Hyundai hat ambitionierte Pläne in Sachen umweltfreundliche Mobilität. Bis 2020 will man 14 sogenannte Eco-Autos im Portfolio haben. Für drei dieser Vertreter sorgt der Ioniq. Den gibt es nämlich als Hybrid (Benzinmotor und Elektromotor), Plug-in-Hybrid (wie Hybrid, kann aber zusätzlich an der Steckdose aufgeladen werden und auch längere Fahrten elektrisch absolvieren) und als rein elektrisch betriebene Variante.

Koreanischer Volkswagen

Die Plug-in-Version durfte im KURIER-Test ihre Qualitäten unter Beweis stellen: Das Design ist schlicht und eher zurückhaltend. „Fast wie ein koreanischer Volkswagen“, meinte ein interessierter Passant. Man protzt nicht mit der modernen Technologie, aber vorne mutet der Ioniq fast ein bisschen mauerblümchenhaft an. Im Innenraum ist alles aufgeräumt und intuitiv. Die Platzverhältnisse sind vorne wie hinten gut und auch der Kofferraum ist trotz der Batterie, welche sich teilweise darunter befindet, nicht zu klein und gut nutzbar. So soll das sein!

 

Nun zum wichtigsten Teil: Der Hyundai Ioniq fährt sich wie ein normales Auto mit Automatik. Mit dem Unterschied, dass er sich bei geladener Batterie vorzugsweise elektrisch und somit fast lautlos fortbewegt. Aber auch wenn der 105-PS-Benziner den 61-PS-Elektromotor (Systemleistung 141 PS) unterstützt, wird es nicht laut im Fahrgastraum.

Der Sprint von null auf hundert dauert gut zehn Sekunden und das Doppelkupplungsgetriebe verrichtet seine Arbeit angenehm unauffällig.

Einige Male hätte man sich gewünscht, sie schalte früher in den nächsten Gang, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Herstellerangabe von 63 km rein elektrisch nach einer Vollladung scheint nicht erreichbar. Realistisch sind Werte zwischen 45 und 50 km. Sofern man die elektrische Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h ausreizt, werden aber selbst diese Werte unerreichbar.

 

Alltagstauglich

Der Ladevorgang an der Haushaltssteckdose dauert etwas mehr als zwei Stunden. Laden an Kraftstromdosen ist mit passendem Zubehör auch möglich.

Wie dem Toyota Prius Plug-in-Hybrid kann auch dem Hyundai Ioniq absolute Alltagstauglichkeit bescheinigt werden. Er funktioniert wie ein ganz normales Auto – nur eben mit Steckdose zusätzlich. Er bietet Komfort, Sicherheit, Fahrleistungen und Konnektivität wie die Konkurrenz mit Verbrennungsmotor auch. Es seien hier nur einige Höhepunkte wie Sitzbelüftung, LED-Scheinwerfer, marktübliche Sicherheits- und Fahrassistenten sowie Smartphone-Integration erwähnt.

Im Vergleich zum Toyota – der ist sozusagen der Platzhirsch und damit der direkte Konkurrent – wirkt das Gesamtpaket nicht ganz so perfektioniert und rund. Zu Beginn wollte der Ioniq zum Beispiel die Verriegelung des Ladekabels, welche vor Diebstahl schützt, um die Burg nicht aufmachen. Eine eigene Taste dafür befindet sich links unterhalb des Lenkrades. Und einige Male war ein zweiter Druck auf den Startknopf nötig, da er sich nicht gleich ein- beziehungsweise ausgeschaltet hat.

 

Bedenkt man allerdings, dass der Hyundai um knapp 10.000 Euro günstiger zu haben ist als der Toyota und dabei noch fünf Jahre Herstellergarantie sowie acht Jahre (oder 200.000 km) Batteriegarantie bietet, verzeiht man ihm so manchen kleinen Ausrutscher.

von Daniel Schubert

Technische Daten

Antrieb: 4-Zylinder-Benziner, E-Motor 360 V, : Lithium-Ionen-Polymer-Batterie (8,9 kWh),

Benziner: 105/77 PS/kW

E-Motor: 60/45 PS/kW

Gesamtleistung: 141/104 PS/kW

maximales Drehmoment: 147 Nm/4000 U/min

Frontantrieb, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Beschleunigung 0-100 km/h in 10,6 Sekunden, Spitze 178 km/h, Euro 6;

Fahrwerk: Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbeinen. Hinten Mehrlenkerachse, vier Scheibenbremsen (vorne innen belüftet), elektronisches Antiblockiersystem ABS, elektronisches Stabilitätsprogramm ESP, elektrische Zahnstangenlenkung. Garantie 5 Jahre ohne km-Begrenzung, 8 Jahre oder 200.000 km Batteriegarantie.

Maße (L x B x H):4470 x 1820 x 1450 mm

Wendekreis: 10,6 m Radstand: 2700 mm

Kofferraum: 341 - 1401 l Zuladung: 420 bis 475 kg Gesamtgewicht: 1970 kg Tankinhalt: 43 l

Normverbrauch: Gesamtsystem 1,1 l/100 km 26 g/km CO²

Testverbrauch: Hybridmodus/E-Modus 3,2 l/100 km 17,5 kWh/100km

Preis:29.490 €/Preis Testwagen: 36.990€

Motorbezogene Versicherungssteuer: 394,32 €