© WERK

Zweirad
04/07/2020

Ducati Panigale V2: Rosso und rassig

Der beste Grund, sich auf ein Verhältnis mit einer jungen Italienerin einzulassen

Mit einer Ducati 916 im Stammbaum kann man sich schöner und schneller Gene sicher sein. Eines der einflussreichsten Motorräder aller Zeiten aus der Feder des begnadeten und leider schon verstorbenen Massimo Tamburini begründete vor über einem Vierteljahrhundert das moderne Superbike.

Noch heute messen Designer ihre Entwürfe an dieser zeitlosen Ikone, obgleich sich durchaus behaupten ließe, dass die seit 2011 gebaute Panigale ihre Urahnin in Attraktivität und gestalterischer Klasse schon bei Weitem übertroffen hat.

Die kleine Panigale – die genau genommen auf die 748 zurückgeht und bisher als 959 bekannt war – ist das letzte vollverkleidete Sportmotorrad aus Bologna, das von einem V2 angetrieben wird. Die großen Schwestern erreichen dagegen durch einen Vierzylinder-Motor in V-Anordnung mittlerweile exorbitante Leistungswerte.

Die letzte ihrer Art

Auch von keinem anderen Hersteller gibt es mehr Vergleichbares, was die Panigale V2 zu etwas Einzigartigem macht. Keine spitzen Winglets, wie sie aus dem Profirennsport bekannt sind und auch an der Panigale V4 für mehr Anpressdruck sorgen, stören den eleganten, betörenden Fluss ihrer Verkleidung. Darin schlägt das temperamentvolle Herz des 955-Kubik großen Superquadro-Motors, dessen Spitzenleistung trotz Euro-5-Update um fünf PS auf nunmehr 155 Cavalli gewachsen ist.

Im Zaum gehalten werden die Kräfte von einem umfangreichen Elektronikpaket, das neben ABS und Traktionskontrolle auch eine 6-Achsen-IMU beinhaltet, wodurch die Systeme neigungsabhängig gesteuert werden können.

Damit man sich heute nicht mehr die Finger wund kuppelt, ermöglicht ein serienmäßiger Schaltautomat Hinauf- und Herunterschalten ohne manuelles Zutun.

Mit der individuellen Anpassung der Elektronik – die sich vor allem für den professionellen Einsatz sogar noch erweitern lässt – hat man ohnedies genug zu tun, dargestellt auf einem klar ablesbaren 4,3-Zoll-TFT-Bildschirm.

ducati_panigale_v2_76_uc104738_low.jpg
ducati_panigale_v2_75_uc104739_low.jpg

Bild links: © Ducati

Bild rechts: © Ducati

In einer Zeit, in der Supersportler immer stärker, extremer und spezieller für das Fahren auf der Rennstrecke hin entwickelt werden, möchte die Panigale V2 eine zugänglichere und alltagstauglichere Form dieser Gattung sein. Man soll sich auch nach einer ausgedehnten Tagestour wohl fühlen im um 20 Millimeter längeren, überraschend komfortabel gepolsterten Sitz. Trotz dessen stattlicher Höhe von 840 Millimetern fällt allerdings der Kniewinkel etwas spitz aus – gut für die Schräglagenfreiheit, schlecht für die Langstreckentauglichkeit. Dieser kommt wiederum das gemäßigt abgestimmte Fahrwerk zugute, das auch im sportlichen Einsatz eine hohe Stabilität und Präzision bietet.

Moderne Zeiten

Wohin man eine Panigale auch entführt, man wird bewundernde und neidvolle Blicke unter seinesgleichen ernten, aber wenig Lob für die Akustik. Denn der polternde, klingelnde Sound alter Tage ist Geschichte, die Panigale bewegt sich begleitet von dezentem Bollern durch die Landschaft und versorgt nur den Fahrer mit einer ansprechenden Geräuschkulisse.

Das 200 Kilo leichte Superbike fährt sich stabil, diszipliniert und kein bisschen divenhaft. Sogar pflegeleicht soll sie sein, mit Ventilservice-Intervallen von langen 24.000 Kilometern.

Absolut gesehen ist die Panigale V2 mit 20.995,00 Euro nicht billig, relativ gesehen aber nicht außergewöhnlich teuer. Und zwar nicht nur im Vergleich zur hauseigenen Konkurrenz (die V4 kostet über 6000 Euro mehr). Und sollte mit ihr tatsächlich eine Ära zu Ende gehen, ist das keine schlechte Investition.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.