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Zweirad
04/23/2019

Moto Guzzi V9 Bobber Sport im Test

Lässig cruisen können auch die Italiener – insbesondere jene vom Comer See.

von Peter Schönlaub

Das gemächliche, coole Cruisen ist für Moto Guzzi keine neue Disziplin. Schon mit der California hat man sich vor rund einem halben Jahrhundert die amerikanische Lässigkeit abgeschaut und seitdem nach der eigenen Manier kultiviert.

Mit einer heuer neu eingeführten Spielart der V9 zielt man nun auf das trendige Sub-Segment sportlich geschnittener Bobber. Harley ist hier mit der Forty-Eight unterwegs, Indian mit der Scout Bobber und Triumph mit der Bonneville Bobber Black. Kennzeichen dieser Gattung sind ballonartige Reifen, der fast völlige Verzicht auf Chrom und schnörkellose Unverspieltheit. Dazu kommen Versatzstücke aus dem sportlichen Paralleluniversum.

Gute Basis

Moto Guzzi hat auf diesen Trend bereits reagiert, als vor drei Jahren die V9 eingeführt wurde: Damals teilte man die neue Mittelklasse auf die freundliche Roamer und die puristische Bobber auf. Mit der neuen „Sport“ werden die Charaktereigenschaften der Bobbers nun nachgeschärft und viele Details überarbeitet.

Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zur Basis-Bobber um 9999 Euro: Das Sport-Modell besitzt hochwertige und voll verstellbare Öhlins-Federbeine am Heck, dazu einen etwas niedriger angesetzten Lenker. Der Scheinwerfer ist ebenfalls etwas tiefer montiert, eine mit Schlitzen versehene Alu-Abdeckung wirkt als sportlicher Geschmacksverstärker.

Ein Einzelsitz gehört da fast schon zum guten Ton, ein Passagier findet auf Wunsch aber auch ein Plätzchen vor. Der kürzere vordere Kotflügel, eine gefräste Fußrasteranlage und kompaktere Schalldämpfer mit abgeschrägtem Ende sind weitere Veränderungen. Auf einen Blick erkennt man die V9 Bobber Sport aber natürlich an der ihr vorbehaltenen Lackierung in charismatischem Matt-Orange.

Cruisen mit Anspruch

Beim Fahren zeigt sich sofort die Expertise von Guzzi im Bau von Cruisern. Außerdem: Nur hier und bei Harley bekommt man in diesem Segment noch einen luftgekühlten V2.

Der wunderschöne Motor schüttelt seine immer präsenten Köpfe gleich beim Start und stellt dann schon bei niedrigen Drehzahlen ein feistes Drehmoment bereit, untermalt von einer klangvollen Soundkulisse.

 

Die mit der Namensgebung versprochene Sportlichkeit muss natürlich auf Cruiser-Verhältnisse heruntergebrochen werden, hier lässt sie sich aber durchaus einlösen: Die Guzzi bleibt in flotteren Kurven oder beim heftigen Anbremsen stabil. Die Verzögerung funktioniert mit nur einer Bremsscheibe vorne erstaunlich gut, ein wenig Unterstützung an der Hinterhand wird aber auch goutiert.

Beim Handling profitiert die Guzzi einerseits von ihrem niedrigen Gewicht, die – natürlich etwas stärkere – Harley Forty-Eight wiegt um gut 40 Kilo mehr. Dennoch muss man sich an das Fahren mit den kleinen Ballonreifen erst einmal gewöhnen: Der lange Radstand unterstützt eher den Geradeauslauf, das Einlenken verlangt nach einem entschiedenen Input am breiten Lenker. Hat man sich erst einmal darauf eingestellt, dann grinst man aber auch in den Kurven, wo für Cruiser-Verhältnisse viel Schräglagenfreiheit zur Verfügung steht.

Haltung bewahren

Und die Sitzposition? Die entspricht auf nur 785 Millimeter Höhe nicht nur den Gestaltungsvorgaben von Baggern, sondern ist auch deutlich komfortabler, als man dem dünnen Sattel und dem tief angesetzten Lenker zutrauen würde. Muntere Ausflüge sind also unverkrampft möglich – so, wie man es sich von einem Cruiser erwartet.