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Sicherheit
11/21/2015

Dachboxen: Richtig laden bedeutet sicher fahren

Tipps für den fachgemäßen Umgang mit der Ladung auf dem Fahrzeugdach.

von Ad Raufer

Es gab Zeiten, da war eine Fahrt in den Skiurlaub ohne Dachbox schlicht unvorstellbar. Das hat sich geändert, sind doch die sargähnlichen Stauboxen heute vorwiegend nur auf Autos von unseren Freunden aus dem ehemaligen Ostblock zu finden. Die lieben sie dafür umso mehr.

Das ständig wachsende Angebot an Kombis, Vans oder geländegängigen Mehrzweckkombis haben die Dinger in den Hintergrund gedrängt, aber nicht obsolet gemacht.

Wird eine Fahrt in den Skiurlaub geplant, sollte man sich auch rechtzeitig Gedanken über die Transportmöglichkeiten von Skiern, Snowboards und Skischuhen machen. Und so ist bereits vorab zu klären, ob das Auto für den Transport einer Dachbox überhaupt geeignet ist. Ist das klar, stellt sich die Frage nach der richtigen Größe der Box: Auch wenn es sich noch so nach No-na-Wissen anhört: Ein kleiner Opel Karl verlangt nach einer anderen Skibox als etwa ein Skoda Octavia.

Nützliche ARBÖ-Tipps

Entscheidend sind Montage und Handhabung. Der ARBÖ hat Tipps zusammengestellt, die das gut erklären:

  • Die Heckklappe sollte bei vollständig montierter Dachbox geöffnet werden können.
  • Nur empfohlene Grundträger verwenden.
  • Es ist zu beachten, dass Träger und Halterungen fest sitzen. Regelmäßig kontrollieren.
  • Weiters weiß der ARBÖ Rat für die richtige Beladung:
  • Schwere Gegenstände nicht in die Dachbox stopfen, sondern in den Kofferraum.
  • Die Gepäckstücke sorgsam befestigen beziehungsweise gut verzurren. Ungesichertes Gepäck birgt bei einem Unfall ein großes Gefahrenpotenzial.
  • Die höchste zulässige Dachlast beachten. Nicht vergessen werden darf bei der Beladung das Gewicht der leeren Box und des Dachträgers: Beladung=Dachlast minus Leergewicht der Dachbox minus Gewicht des Dachträgers.
  • Das Gewicht der Gepäckstücke möglichst gleichmäßig in der Box verteilen.
  • Den vorderen Bereich der Dachbox für weiches Gepäck wie Taschen, Schlafsäcke oder Decken nützen. Das vermindert die Gefahr, dass spitze Gegenstände die Box bei einem Unfall durchschlagen können.
  • Während der Fahrt rät der ARBÖ zu folgenden Verhaltensregeln:
  • Mit montierter Dachbox steigt der Verbrauch um bis zu zwei Liter. Es gibt zwei Faustregeln: Bei 100 km/h benötigt ein Mittelklasseauto rund 20 Prozent mehr Sprit, bei 130 sogar rund 25 Prozent mehr.
  • Fahreigenschaften bei Seitenwind beachten. "Besonders nach Waldstücken und auf Brücken droht Gefahr durch plötzlich auftretende Windböen", warnt der ARBÖ.
  • Gesteigerte Fahrzeughöhe beachten.
  • Eigentlich eh logisch: Die Demontage der Dachbox bei Nichtbenützung. Leerfahrten sollten im Interesse von Umwelt und Brieftasche vermieden werden.

Sieben Dachboxen im Test

Vor dem Start der Ski-Saison hat der ÖAMTC sieben Dachboxen mit einem Volumen bis zu 390 Litern genau unter die Lupe genommen. ÖAMTC-Techniker Dominik Darnhofer zieht Bilanz: "Fünf von sieben Dachboxen haben den Test ohne Probleme bestanden. Die zwei übrigen weisen Sicherheitsmängel auf, eine davon ist durchgefallen".
Testsieger und einzige Box mit der Bestnote ist die Thule Motion Sport. Knapp dahinter liegt die Corvara S 390 von Kamei. Durchgefallen ist die Space 450 E des Herstellers Mont Blanc: Bei der City-Crash-Simulation löste sich die komplette Box vom Dach und stellt damit ein gravierendes Sicherheitsrisiko dar. Nur mit "Genügend" bewertet wurde außerdem die Ultra Plast MD15 350L, die beim City-Crash aufging und Ladung verlor. Positiv: Den Ausweichtest sowie die Vollbremsung aus 100 km/h haben alle Modelle erfolgreich absolviert.
Der Testsieger von Thule leistete sich keine Schwächen und überzeugte bei allen sicherheitstechnischen Überprüfungen, der Dichtheitsprüfung, sowie bei Kältefestigkeit und Handhabung. "Nur knapp dahinter liegt das Modell von Kamei, das aber beim City-Crash am Limit war und deshalb abgestuft wurde", so Darnhofer. Auch die Boxen Formula 980 von Atera, 30 Holiday von Jetbag und Krono 480 von Cartrend haben mit "Gut" abgeschnitten.
Crash-Simulation
Beim City-Crash wird ein Auffahrunfall mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h simuliert. Zwei Dachboxen zeigten dabei eindeutige Schwächen. Die Mont Blanc "Space 450 E" löste sich komplett vom Testaufbau. Da halfen die sonst guten Bewertungen nichts – wegen des Sicherheitsrisikos ist sie durchgefallen. Das Modell "MD15 350L" von Ultra Plast öffnete sich bei dem Test und hat Ladung verloren. "Die City-Crash-Simulation ist bei Dachboxen deshalb so wichtig, weil in Städten oft Fußgänger in unmittelbarer Nähe von Autos unterwegs sind", erklärt Darnhofer. "Bei der Ultra Plast sind Skischuhe und Skier aus der Box geflogen. Für Fußgänger ist das eine große Gefahr."