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Interview
10/01/2014

Der Mann, der ALLE Ferraris fährt

Der Mann mit dem vielleicht besten Job der Welt: Ferrari-Testfahrer Andrea Bertolini erzählt.

Andrea Bertolini ist jener Mann, der alle Ferrari Formel-1-Autos von 1974 bis in die Gegenwart fahren durfte – mit nur einer Ausnahme, den 126 C2 von 1982: 350 Formel-1-Rennautos seit Beginn seiner Tätigkeit als Testfahrer bis heute. In die Lehre ging der 1973 in Sassuolo (nur einen Steinwurf von Maranello entfernt) geborene Bertolini bei Ferraris seinerzeitigem Cheftestfahrer Dario Benuzzi und von Michael Schumacher wurde er gefragt, warum er nicht schon längst Formel-1-Weltmeister ist.


Wie hat deine Karriere bei Ferrari begonnen?

Ich war 17 Jahre alt, als ich begann, in der Fabrik zu arbeiten. In meiner Freizeit bin ich Kart gefahren, denn ich wollte schon damals Rennfahrer werden. Dann gab mir Ferrari die Gelegenheit, 5 Runden in Fiorano mit einem 355 Challenge zu fahren. Das hat mein Leben komplett verändert, denn ab dann nahm mich Dario Benuzzi unter seine Fittiche und brachte mir alles bei, was man wissen muss. Und so arbeitete ich vormittags in der Werkstatt und am Nachmittag spulte ich Kilometer mit Benuzzi ab. Das waren unglaublich wertvolle Lektionen.


Was zum Beispiel?

Alle Aspekte verstehen, die das Handling des Autos betreffen – und das in kürzestmöglicher Zeit. Durch meine Arbeit in der Fabrik bekam ich Einblick in die Detailarbeit, wie z.B. ein Motor konstruiert wird. Und diese Kenntnis bis ins kleinste Detail ist mir dann als Fahrer zu Gute gekommen. Das erste Mal, dass ich für die Entwicklung eines Autos verantwortlich war, war beim 360 Challenge Stradale. Ich habe das Projekt vom Anfang bis zum Abschluss begleitet und habe fast eine symbiotische Beziehung zu diesem Auto aufgebaut. Und die hatte ich auch mit allen anderen Ferraris, an denen ich gearbeitet habe.


Und dann kamen die Formel-1-Rennautos...

Als Ferrari begann, die alten Formel-1-Rennwagen zu verkaufen, die aber in Maranello gewartet und in Schuss gehalten wurden, war ich von Anfang an involviert. Sie brauchten einen Fahrer, um das Auto probezufahren und zu checken, dass alles richtig funktioniert. Ich kann mich noch erinnern, dass mein erster Formel-1 der 412 T2 von 1995 war. Ein toller Rennwagen mit 12-Zylinder-Motor. Normalerweise bin ich nicht der Typ, der sich schnell einmal aufregt, aber als ich im Cockpit saß und die Mechaniker den Motor starteten, bekam ich eine Gänsehaut. Ich dachte an meine Kindheit, als wir hier am Zaun hingen, um die Rennautos fahren zu sehen, gelenkt von Gilles Villeneuve, meinem absoluten Idol. Und nun wurde ein Traum für mich war, ich durfte einen Formel-1-Ferrari in Fiorano fahren. Das war der aufregendste Moment meiner bisherigen Berufslaufbahn.


Mittlerweile bist du schon eine Menge von ihnen gefahren...

Das Älteste war ein 312 B3-74 aus dem Jahr 1974, ein Auto, das mich sehr begeistert hat. Von diesem Modell an bin ich alle gefahren und es ist schwer, hier eine Hitparade zu erstellen. Aber das 74er Auto hat mich fasziniert, weil es wie ein Kart zu fahren ist, nur größer und mit viel mehr PS. Es ist sehr leicht und man kann es im kontrollierten Drift bewegen. Natürlich ist es auch gefährlich, denn Sicherheit war damals noch nicht wirklich ein Thema. Und dann liebe ich den 1988er F187/88, den letzten Ferrari aus der Turboära (abgesehen vom F14T). Einfach zu fahren und sehr agil, obwohl die Autos noch die traditionellen Schaltungen hatten.


Du selbst bist sehr erfolgreich Rennen in der GT-Klasse gefahren?

Ja, und zwar ab dem Jahr 2001 – paradoxerweise zuerst mit einem Porsche. Ich hab mir Urlaub genommen, um die Rennen zu fahren. Dabei ist man auf mich als Rennfahrer aufmerksam geworden und ich konnte Ferrari überzeugen, mich in einen GT zu setzen.
Heute ist es so, wenn eines unserer Kundenteams wie AF Corse anfragt, setze ich mich ans Steuer und starte bei den Rennen. Ich fahre European LeMans Series, WEC und die amerikansiche USCC Serie. Im Rahmen der Blancpain Serie bin ich heuer bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps gefahren. Das sind natürliche tolle Erfahrungen.


Welche von den GT-Rennwagen wären deine Favoriten?

Da gab es viele, aber ich möchte drei nennen: Den 360 GTC, den ich von Anfang an entwickelt habe, den Maserati MC12 und den 458 Italia als GT2 bzw. GT3, das Auto, mit dem ich aktuell Rennen fahre. Aber eine Hitliste der Straßenautos zu erstellen, wäre noch schwieriger. Sie sind alle großartig.


Hast du den LaFerrari schon getestet?

Ja, sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke. Und ich muss hier eines zugeben: Für einen Fahrer, der an echte Rennautos gewöhnt ist, liefert ein Straßenauto auf der Rennstrecke im Grenzbereich nicht das Feeling eines Rennwagens. Weil man bei Straßenautos immer Kompromisse eingehen muss, damit sie auf allen Straßenbelägen fahrbar bleiben – auf der Rennstrecke braucht man nur eine bestmögliche Steifigkeit. Beim LaFerrari musste ich diese Meinung revidieren. Als ich mit dem Auto gefahren bin, habe ich auch den Namen verstanden und dass LaFerrari für etwas absolut Einzigartiges steht.


Und zwischen Simulatorarbeit und ganz geheimen Projekten sitzt du immer noch jeden Tag hinter'm Steuer?

Ja, ich fahre jeden Tag für Ferrari. Aber eben weil viele Projekte geheim bleiben müssen, sag' ich jetzt besser nichts mehr...

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