Technik 16.04.2018

Diesel-Aus bei Toyota: „Die Entscheidung fiel schon 2012“

© Bild: WERK/Toyota

Im Gespräch: Topmanager Gerald Killmann über die Zukunft der Antriebe bei Toyota nach dem Auslaufen des Diesel

Gerald Killmann, Vice President für Forschung und Entwicklung bei Toyota Motor Europe, auf dem Genfer Automobilsalon im Motor-KURIER-Gespräch ...

... über die Folgen der neuen Abgastests WLTP und RDE und ob sie der Hauptgrund waren, den Dieselmotor für Pkw auslaufen zu lassen: Die Entscheidung fiel im Grunde schon 2012 gegen den Diesel. Es war absehbar, dass die geplanten Normen teure Nachbehandlungssysteme erfordern werden. Bereits der CH-R, der 2016 startete, kam ohne Diesel. Die großen Dieselmotoren, die im Land Cruiser, Hiace oder Proace eingesetzt werden, passen wir schrittweise an die neuen Anforderungen an. Bei den Autos brauchen wir den Diesel auch für Asien. Der Land Cruiser wird als Entstickungssystem ein SCR (Anm. katalytische System mit Harnstofflösung Adblue) erhalten.

... wann die Benzinmotoren mit Partikelfilter kommen: Wir reden nicht über zukünftige Projekte. Derzeit haben wir keinen Benzinmotor mit Partikelfilter im Programm.

... ob synthetische Kraftstoffe wie OME nicht eine Hilfe im Kampf gegen und Schadstoffe wären: Sie haben den Vorteil, die -Bilanz zu verbessern, auch bei gebrauchten Fahrzeugen, und können zudem beigemischt werden. Aber sie machen punkto Wirkungsgrad nur als Zwischenspeicher etwa für mehrere Monate für überschüssigen Ökostrom Sinn. Mit diesem könnte man aber gleich Wasserstoff herstellen, den man direkt tanken kann.

... wie es mit Batterien für die Hybrid- und Batterie-elektrischen Autos weitergeht: Die Nickelmetallhydrid-Batterien für Voll-Hybride bleiben weiterhin im Programm. Sie haben eine fantastische Dauerhaltbarkeit, sind sehr kostengünstig und temperaturunempfindlich. Für sie gibt es auch bestehende Recyclinganlagen, allein in Europa arbeiten wir mit fünf Firmen zusammen. In Zukunft werden wir aber mehr Lithium-Batterien brauchen. Vorerst werden dies Lithium-Batterien mit flüssigem Elektrolyten sein, in der ersten Hälfte der 2020er Jahre werden Feststoff-Lithium-Batterien in Serie gehen. Diese entwickelt Toyota zusammen mit Universitäten selbst. Ihr wichtigster Vorteil ist die Temperaturunabhängigkeit beim Schnellladen, bei ihnen besteht keine Brandgefahr.

... wie es ums Recycling von Lithium-Batterien steht: Derzeit gibt es davon noch zu wenige für effizientes Recycling. Aber wir setzen etwa gebrauchte Lithium-Batterien als Energiespeicher zum Laden von Gabelstaplern ein.

... wann die nächste Generation von Brennstoffzellen kommt: In den ersten 2020er Jahren. Sie werden einen noch besseren Wirkungsgrad haben.

... ob es künftig beim Brennstoffzellenantrieb eine ähnliche Entwicklung wie beim Hybridantrieb geben wird, nämlich für jede Modellreihe eine Brennstoffzellenversion: Das hängt von der Batterieentwicklung ab. Aber wir haben Bodengruppen, die für alle Antriebe geeignet sind.

... ob sich ein Durchbruch beim Speichern von Wasserstoff abzeichnet, etwa durch Nanostäbchen: Nein. Der aktuelle Wasserstofftank für 700 bar ist eine tolle Leistung.

46-90902129
© Bild: WERK/Walter Wendt

Zur Person

Gerald Killmann, geboren 1965 in Graz, besuchte den Kindergarten in den USA, die Schule in Deutschland. Die Matura und das Maschinenbau-Studium absolvierte er in Graz. Seit 1992 arbeitet Killmann bei Toyota, zwischendurch auch als Diesel-Entwickler in Japan. Er spricht auch Japanisch.

Derzeit ist Killmann Vice President für Forschung und Entwicklung bei Toyota Europa in Brüssel und für Antriebe, vom Benzin- bis zum Brennstoffzellenantrieb, zuständig.

( motor.at ) Erstellt am 16.04.2018