© Michael Andrusio

Tests
08/09/2019

Start zum Dauertest mit dem Audi Q3 40 TFSI quattro

Licht und Schatten nach 10.000 km in den ersten drei Monaten des Dauertests.

Für die Premium-Liga ist im VW-Konzern Audi zuständig. Daher muss sich der neue Q3 einer anderen Erwartungshaltung der Kundschaft stellen, als etwa seine technischen Brüder im Geiste vom Seat Ateca bis zu VW T-Roc.

Nach den ersten drei intensiven Monaten mit einem allradgetriebenen Audi Q3 als 40-TFSI-Benziner lässt sich sagen, dass der Premium-Anspruch in vielen Details erfreulich konsequent umgesetzt wurde. Manche Erlebnisse mit dem Dauertestkandidaten zwischen Langstrecken-Etappen auf der deutschen Autobahn, ausgedehnten Touren durch das hügelige Alpenvorland und Teile der heimischen Bergwelt, sowie dem Wiener Stadtverkehr, hinterließen jedoch auch erstaunte Tester.

Zunächst zur Pluspunkt-Spalte im Fahrtenbuch. Hier manifestiert sich ein jederzeit merkbarer Unterschied zu den günstigeren Konzernbrüdern. Der Abroll- und Federungskomfort und die gute Geräuschdämmung bescheren den Passagieren stets ein Gefühl souveränen Dahingleitens. Dies selbst dann, wenn der Pilot die Vollgas-Fähigkeiten des 190-PS-TFSI auf der deutschen Autobahn auslotet.

Dabei zeigt sich auch, dass Fahrwerk, Bremsen und Lenkung mit dem Schub des Turbo-Benziners bei weitem nicht ausgelastet sind. Dieser will allerdings bei Laune, sprich Drehzahl, gehalten werden, soll es einmal flotter vorangehen. Im unteren Drehzahlbereich merkt man ihm seine 190 PS doch eher nicht so sehr an, was ihm sogar einen Eintrag im Fahrtenbuch unter dem Schlagwort Anfahrschwäche eingetragen hat.

Was den Verbrauch angeht, so reichte die Bandbreite im bisherigen Testbetrieb von 7,8 l bei Überlandfahrten auf flachen Landstraßen bis zu 14,9 l im gestreckten Galopp auf der deutschen Autobahn. Im Schnitt ergibt das bisher einen Wert von 9,9 l, was rund 2 l mehr ist, als der vergleichbare 150-PS-TDI brauchen würde.

Pluspunkte sammeln konnte der Q3 auch mit seinem Innenraum. Sowohl das Platzangebot auf den Rücksitzen als auch die Variabilität des Kofferraums profitieren dabei von der verschiebbaren Rückbank samt Lehnenneigungs-Verstellung. Ebenfalls bewährt hat sich die effiziente, weitgehend zugfreie und gut einstellbare Klimaanlage.

Mit der Sommerhitze weniger gut zurechtgekommen ist allerdings die Bordelektronik. So rasteten die Algorithmen nachhaltig aus, nachdem der Q3 auf dem Flughafenparkplatz einen Vormittag bei mehr als 30 Grad Außentemperatur in der prallen Sonne gestanden war.

Verwirrte Algorithmen

Nach dem Wegfahren, aktivierte sich die Parkbremse während der Fahrt mehrmals automatisch – begleitet von der Aufforderung an den Piloten, zum Abstellen den Wählhebel auf P zu geben.

Wohl kein Hitzeproblem ist jedoch der Umstand, dass die Aktivierung der Navigation nach dem Start bis zu einer halben Minute braucht. Was wiederum dazu verleitet, nicht darauf zu warten und die Navi-Eingabe während der Fahrt zu machen. Da ist dann zwar die Tastatur am Bildschirm gesperrt, aber via weniger von der Fahrt ablenkender Handschrift-Eingabe lässt es sich doch bewerkstelligen. Das an sich perfekt funktionierende Eingabesystem via Dreh-Drück-Steller hat Audi ja leider auch der zweifelhaften Touch-Screen-Mode geopfert. Die präferierte Methode ist aber ohnehin die sehr verständige Spracheingabe.

Andere Befremdlichkeiten aus der Praxis mit dem kompakten Premium SUV: Trotz einer ellenlangen Aufpreisliste (gezählte 25 zahlungspflichtige Extras finden sich in der Ausstattung des Test-Kandidaten), gibt’s keine elektrisch einklappenden Außenspiegel, keinen Startknopf und kein schlüsselloses Zugangssystem.

Die Verwunderung darüber relativiert sich aber nach der ersten Nachtfahrt, bei der die Matrix-LED-Scheinwerfer zeigen können, dass sie die rund 2000 Euro Aufpreis wert sind.

Antrieb: 4 Zylinder, Benzin, Direkteinspritzung, 2 oben liegende Nockenwellen 4 Ventile/Zylinder, Turbolader, Ladeluftkühler; Allradantrieb, 7-Gang-Direktschalt-Getriebe;  Euro 6d-Temp.

Hubraum: 1984 cm3

190 PS/140 kW max. Drehmoment 320 Nm bei 1500 U/min

Fahrleistungen: Spitze 220 km/h, 0–100 in 7,4 Sekunden

Abmessungen: Länge x Breite x Höhe 4484 x 2024 x 1616 mm, Radstand: 2680 mm

Kofferraumvolumen: 530–1525 Liter

Gewicht: 1695 kg/Gesamtgewicht: 2200 kg

Anhängelast: gebremst/ungebremst 2100 kg/750 kg

Bodenfreiheit: 190 mm, Böschungswinkel: vorn 19 Grad/hinten 16 Grad, Rampenwinkel: 24 Grad, Wattiefe: 300 mm

Fahrwerk: Selbst  tragende Karosserie, Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker,  hinten Mehrlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung, ABS, Bremsassistent, elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

Normverbr.: 7,2 l/100 km 164 g/km CO²/Testverbrauch: 9,9 l/100 km

Preis:45.897 €/Preis Testwagen: Preis Testwagen: 61.722 €

Motorbezogene Versicherungssteuer:919,44 €