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Tests
03/17/2020

Countryman John Cooper Works im Test: Gar so mini ist der gar nicht

Einer der wildesten Minis aller Zeiten – und auch noch mit Allradantrieb

Das passiert, wenn in England ins BMW-Regal gegriffen wird. Der Mini Countryman, so wie sein etwas niedrigerer Bruder Clubman, verfügt in der jüngsten Version als berühmt-berüchtigter „John Cooper Works“ über einen 2,0-l-Twin Turbo Motor, der auch bei BMW zu finden ist und im Mini 306 PS Leistung liefert – immerhin 75 PS mehr als beim Vorgänger.

Dazu gibt es eine größere Sportbremsanlage, ein Kühlsystem aus dem Rennsport, Allradantrieb und eine neue 8-Gang-Automatik mit integrierter mechanischer Differenzialsperre vorn.

Eine extrem steife Karosserie sorgt gemeinsam mit einigen sehr streng zu bewegenden Bedienelementen für einen umwerfenden Eindruck von Robustheit. Das beginnt beim sehr dicken Lenkradkranz – der Countryman schlüpft nicht leichtfüßig ums Eck, er will geführt, ja manchmal gezwungen sein – und geht bis zu den sehr gut geformten Sitzlehnen.

Gar so mini ist dieser Mini übrigens gar nicht. Mit rund 4,3 m Länge bewegt er sich in der Golfklasse, auch wenn er viel molliger (und natürlich auch deutlich höher) wirkt. Das hat aber seine angenehme Seite im Platzangebot innen, wo vor allem auf den Rücksitzen Wonnegefühl aufkommen kann (während etwa der Kofferraum durch sehr üppige Seitenverkleidungen etwas schmal wirkt).

Tolle Fahrleistungen

Die SUV-Auslegung bringt mit sich, dass der Countryman halt mit dem Urgedanken des ersten Mini nichts mehr zu tun hat. Die Fahrleistungen sind für diese Kanonenkugel mehr als überzeugend, ebenso das allgemeine Fahrverhalten. Beim Verbrauch kann man die angegebenen rund 7 Liter vergessen. Zweistellige Werte sind bei harscher Gangart spielend in Reichweite.

Trotz adaptiven Fahrwerks im Testwagen muss zudem festgestellt werden, dass der „JWC“ gerufene Countryman zwar auf der Rennstrecke gewiss ein gutes Bild abgibt, für normalen städtischen Straßenbau aber im Grund stets einen Tick zu hart abgestimmt ist.

Bleibt noch der Blick in die Preisliste. Der Testwagen war wirklich überreich ausgestattet (Assistenzsysteme, Head-Up Display, Picknick-Bank, Glasdach, Parkassistent, Navi, 19-Zoll-Felgen, drahtloses Smartphoneladen und und und). Aber mit einem Haufen Extras wirkt ein Preis von mehr als 65.000 Euro für einen Mini in der Golfklasse halt schon sehr ambitioniert.

Antrieb: Reihenvierzylinder-Benziner mit Twin Turboaufladung, Allradantrieb, Achtgang-Automatik

Hubraum: 1998 cm³
Leistung: 306 PS / 225 kW; maximales Drehmoment: 450 Nm bei 5000–6250 U/min

Fahrleistungen: Beschleunigung von 0–100 km/h in 5,1 Sekunden, Spitze 250 km/h, Abgasklasse Euro 6d-Temp.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung, McPherson-Federbein vorn, Doppelgelenk-Zugstrebenachse (Alu) Mehrlenkerachse hinten. Vier Scheibenbremsen, mechanische Differenzialsperre vorn, elektronisches Antiblockiersystem ABS, elektronisches Stabilitätsprogramm (Stabilitäts- und Traktionskontrolle), elektromechanische Servolenkung. Optional erhältlich: adaptives Fahrwerk.

Maße (L x B x H): 4299 x 1822 x 1557 mm; Radstand: 2.670 mm
Wendekreis: 11,40 m

Kofferraum:450–1.390 l
Zuladung: 575 kg/Gesamtgewicht: 2.175 kg
Normverbrauch: 7,3 l/100 km 166 g/km/Testverbrauch: 8,9 l/100 km
 
Preis: 49.350 €/Preis Testwagen: 65.343 €
Motorbezogene  Versicherungssteuer:1693,40 €