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© Horst Bauer

Tests
08/23/2022

Jaguar F-Pace erstmals mit Stecker: Geladen wird nur via Kabel

Wie sich der F-Pace P400e in der Praxis hält und was ihn von den Konkurrenten grundlegend unterscheidet

von Horst Bauer

Dass dem großen Jaguar-SUV das im Vorjahr präsentierte Facelift nicht nur optisch gut getan hat, wurde an dieser Stelle bereits festgehalten. Auch die Erneuerung des Infotainment-Systems samt 11,4-Zoll HD-Touchscreen sorgt für Pluspunkte. Das neue System bietet vor allem schnellere Reaktionszeiten (bisher ein verlässlicher Quell für Unmut im Cockpit) und eine insgesamt weniger schrullige Benutzerführung.

Wie die nun ebenfalls verbaute Software-Over-The-Air-Technik tatsächlich funktioniert, konnte im Laufe des Tests mitverfolgt werden. Dazu tritt das Auto in den Dialog mit dem Fahrer und erledigt nach dessen Zustimmung das Herunterladen selbsttätig im Hintergrund. Spannend wird es erst, wenn die Aufforderung auf dem Monitor erscheint, dass es jetzt an der Zeit wäre, all die schöne neue Software auch zu installieren. Dafür darf der Jaguar rund 40 Minuten nicht benützt werden. Was dadurch sichergestellt wird, dass die Algorithmen erst zu werkeln beginnen, wenn man sich nachweislich selbst ausgesperrt hat. Da Vertrauen zwar gut, Kontrolle aber besser ist, wird das durch die zwingende Aktivierung der Alarmanlage sichergestellt.

Immerhin kann man sich die Zeit selbst aussuchen, wann diese Stilllegung mit Ansage passieren soll.

Plug-in-Antrieb

Die für den Farbetrieb wesentlichste Neuerung beim F-Pace ist aber der hier erstmals verfügbare Plug-in-Antrieb. Dabei verfolgen die Briten eine Philosophie, zu der sich die meisten anderen Hersteller noch nicht durchringen konnten.

Geladen werden kann die 13,6-kWh-Batterie nämlich ausschließlich an der Steckdose bzw. durch Rekuperation während der Fahrt. Das der Grundidee eines Plug-in-Hybrid widersprechende, andernorts aber mögliche und bei der Kundschaft, die nicht mit Ladekabeln hantieren will, beliebte Aufladen der Batterie durch den Verbrennungsmotor während der Fahrt, ist beim F-Pace P400e nicht möglich. Der holt sich nur den für den Einsatz des E-Motors als Helfer des 4-Zylinder nötigen Strom selbsttätig nach Berechnungen, denen die Erkenntnisse aus dem Formel-E-Renner des Hauses zu Grunde liegen. Die so gewonnene Energie wird aber eben im Fahreinsatz möglichst gewinnbringend verwendet und nicht für die letzten paar Show-Kilometer im reinen E-Betrieb vor der Schule aufgespart.

Wer dies trotzdem will, kann nur den vorher per Ladekabel gebunkerten Strom dafür aufheben. In dem Fall greift das Antriebssystem verstärkt auf den Verbrenner zu und gestattet dem E-Motor nur begrenzte Hilfestellungen.

Hilfe durch den E-Motor

Apropos Hilfestellung durch den E-Motor: Diese reicht von der Verbrauchsminimierung im Eco-Modus (wo auch fleißig gesegelt wird) bis zum effizienten boosten des 250-PS Benziners. Das ergibt dann kurzfristig eine stolze Systemleistung von 404 PS. Und die schiebt den knapp 2,2 Tonnen wiegenden F-Pace - auch dank der hurtigen Achtgang-Automatik - nicht nur in 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Im Alltagsbetrieb bedeutender ist der Umstand, dass sich die Fuhre damit auch in nur 3,3 Sekunden von 80 auf 120 km/h katapultieren lässt. Was um über eine Sekunde flotter ist, als beim 300-PS-Diesel und ein unschätzbarer Vorteil bei Überholmanövern.

Nutzt man diese Qualitäten des P400e in überschaubarem Maß aus, kann das unter dem Strich einen Praxisverbrauch von durchschnittlich rund 8,5 Liter Super auf der Langstrecke ergeben. Der sich durch entsprechende Maßnahmen leicht in beide Richtungen verändern lässt (fleißiges Nachladen der Batterie via Kabel bzw. sportlicher Umgang mit dem Gaspedal).

Schnelles Laden an der Säule

Im Gegensatz zu andern PHEV-Modellen, kann die Batterie im F-Pace P400e nicht nur via Wechselstrom, sondern auch an Schnelladesäulen mit Gleichstrom aufgeladen werden. Die entsprechende Ladekarte vorausgesetzt, lässt sich so eine Ladung von 0 auf 80 % in einer knappen halben Stunde erledigen. An einer Wallbox bzw. Ladestation mit 7 kW Leistung dauert der idente Vorgang eine Stunde und 40 Minuten.

Bei vollgeladener Batterie verspricht Jaguar eine reine E-Reichweite von bis zu 53 km. In der Testpraxis bei sommerlichen Temperaturen waren rund 45 km erreichbar.

Ausgerasteter Algorithmus

Der von Jaguar durch die Neuerungen im Innenraum angestrebten Wohlfühl-Atmosphäre im Cockpit samt Luftionisierung und Spezialfilter (PM 2,5) stellte sich im Testwagen allerdings ein ausgerasteter Algorithmus zeitweise entgegen. Bei Außentemperaturen von über 32 Grad (und auf 23 Grad eingestellter Innentemperatur) entschied das System immer wieder mal, entweder den vorderen Fußraum oder die Lüftungsdüsen im Fond mit eigens fabrizierter Heißluft zu fluten.

Da kann man nur darauf hoffen, dass das nächste Softwareupdate-Over-The-Air den Exzentriker an den virtuellen Schalthebeln der Klimaanlage zur Räson bringen kann.

Antrieb: Plug-in-Hybrid mit Zweiliter-Reihen-Vierzylinder-Benziner und Permanent-Magnet-Elektromotor, Systemleistung 404 PS / 297 kW, maximales Drehmoment 640 Nm bei 1.500 - 4.400 U/min, Abgasklasse EU6d. Lithium-Ionen-Batterie mit 13,6 kWh, Achtgang-Automatik, Allradantrieb.

Fahrleistungen: Beschleunigung von 0 - 100 km/ in 5,3 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 240 km/h.

Abmessungen: Länge x Breite x Höhe 4.747 x 1.664 x 2,071 mm, Radstand 2,874 mm, Wendekreis 11,93 m, Leergewicht 2.189 kg, zulässiges Gesamtgewicht 2.690 kg, Anhängelast ungebremst / gebremst 750 kg / 2.000 kg. Kofferaumvolumen 619 kg, Tankvolumen 69 Liter.

Verbrauch: Normverbrauch nach WLTP 2,2 - 2,5 l /100 km (49 - 57 g/km CO2), Testverbrauch 8,5 l/100 km. Rein elektrische Reichweite bis 53 km (Test: 45 km).

Kosten: Listenpreis Jaguar F-Pace P400e R-Dynamic 87.719 €, Preis des Testfahrzeugs 92.604 €

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