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Zweirad
06/12/2022

KTM 1290 Super Duke R Evo: Von zart bis hart

Mittels elektronischen Fahrwerks will die neue Premium-Version des brachialen Naked Bikes den breiten Spagat zwischen Sport und Touring spielerisch meistern

Motorisch ist die KTM 1290 Super Duke R dank ihres potenten V-Twins mit mittlerweile 180 PS seit einem umfangreichen Update zur Saison 2020 überraschend nahe der Perfektion. In Sachen Fahrwerk empfängt sie 2022 nun ebenfalls den technologischen Ritterschlag. Für 2100 Euro Aufpreis stellt KTM der konventionellen Super Duke R erstmals eine mit semiaktivem Elektronik-Fahrwerk ausgestattete Evo-Edelversion zur Seite.

Die Vorteile eines solchen Systems liegen auf der Hand: Ganz ohne Werkzeug kann die Abstimmung der Dämpfer elektronisch an Fahrbahnzustand und Fahrstil-Anforderungen angepasst werden: beispielsweise im „Comfort“ Modus zart fürs bequeme Dahingondeln auf holprigem Landstraßen-Flickwerk oder im „Sport“-Setting knackig-hart für gestreckten Galopp auf glattgebügeltem Asphalt der Extraklasse.

Obendrein erkennt die smarte Software plötzliche Änderungen der Fahrbahn automatisch und adaptiert binnen Millisekunden das Setup des Fahrwerks. Das passiert dank moderner Magnetventile so flink, dass während der Fahrt nichts davon spürbar ist. So kann auch das tiefe Eintauchen der Gabel bei scharfen Bremsmanövern reduziert werden.

Zu guter Letzt wird die Federvorspannung je nach Fahrergewicht, Beladungszustand und gewünschter Chassisgeometrie per Knopfdruck oder sogar vollautomatisch justiert.

Premium-Ausstattung

Hightech wie diese hat natürlich ihren Preis. Satte 25.250 Euro weist das Preisschild des abgebildeten Testfahrzeugs aus, bei dem jedoch sämtliche Elektronik-Funktionen implementiert wurden, die derzeit für die Super Duke erhältlich sind – unter anderem auch das „Suspension Pro“ Paket (Erweiterung auf gesamt sechs Dämpfungsmodi) und ein praktischer Schaltassistent für kupplungsfreie Gangwechsel.

Tatsächlich ist die maximale Aufrüstung der 1290 Super Duke R Evo mit futuristischem Cyber-Fahrwerk und Software-Vollprogramm ihr Geld durchaus wert. Derart aufmunitioniert vergrößert der Streetfighter sein Einsatzgebiet deutlich.

Zu einem bequemen Softie wird das von KTM „the Beast“ getaufte Zweirad dennoch in keinem Fall. Holprige Kanaldeckel quittiert das Chassis mit deutlichen Schlägen Richtung Wirbelsäule – allerdings spürbar milder als man es von der konventionellen Super Duke gewohnt ist. An ihren ultrasportlichen Genen lässt sie selbst im kommodesten aller Setups trotzdem keine Zweifel.

Besonders in Schräglage auf schlechtem Fahrbahnuntergrund folgt sie der anvisierten Linie jedoch wesentlich präziser und souveräner – Gefahr gebannt, aus der Umlaufbahn geschüttelt zu werden.

Kommandozentrale

Die Bedienung der Assistenzsysteme am TFT-Bildschirm ist vergleichsweise intuitiv und auch ohne IT-Studium problemlos möglich. Mit wenigen Knopfdrücken an der ergonomisch nicht ganz ideal geformten, linken Lenkerarmatur lässt sich in Sekundenschnelle eine völlig konträre, supersportliche „Track“-Abstimmung aktivieren.

Das nun deutlich straffere Chassis liefert kristallklare Rückmeldungen über Traktion und Seitenhalt, während die elektronischen Helferleins permanent alle Hände voll zu tun haben die brachiale Kraft in Zaum zu halten.

Wer die Power ohne elektronische Fahrhilfen von der Leine lässt, sollte besser genau wissen was er tut. Gewaltige 140 Newtonmeter zerren an der Kette und feuern die KTM in jedem Gang und bei fast jeder Drehzahl vorwärts wie ein Projektil im Lauf eines Scharfschützengewehrs. Fast wünscht man sich Superkleber an den Griffen, um nicht vom brachialen Schub abgeworfen zu werden.

Mit ähnlich ballistischer Präzision jagt die Super Duke R um Radien aller Art, die fein dosierbare Brembo-Bremsanlage brilliert mit sagenhafter Wirksamkeit.

Als durchaus langstreckentauglich erweist sich die aufrechte, frontorientierte Sitzposition, die gleichzeitig genug Platz für einen körperbetonten Fahrstil bietet.

Motor als Protagonist

Spielerisch und präzise lässt sich die 210 Kilo leichte, kompakte Austro-Rakete von links nach rechts pfeffern. Schade eigentlich, dass der spektakuläre Vortrieb der phänomenalen Wendigkeit und dem cleveren Cyber-Fahrwerk weiterhin die Show stiehlt.

Nichtsdestotrotz hat KTM beim Poker um die Power-Naked-Krone ein starkes Ass im Ärmel, das gute Chancen hat die mächtige Konkurrenz aus Deutschland, Italien und Japan auszustechen.

Motor/Antrieb
V-Zweizylinder, flüssig gekühlt, DOHC, 4V pro Zyl., 1.302 ccm, 132 kW (180 PS) bei 9.500 U/min, max. Drehmoment 140 Nm bei 8.000 U/min

Fahrwerk
Stahl-Gitterrohrrahmen, elektron. Fahrwerk mit 48-mm-Upside-down-Gabel und Mono-Stoßdämpfer, vorne 320-mm-Scheibenbremsen, hinten 240-mm-Scheibenbremse, Reifen 120/70-17 und 200/55-17

Maße/Gewichte
Radstand: 1.497 mm, Sitzhöhe: 835 mm; Gewicht fahrfertig: 210 kg, Tank: 16 l

Ausstattung
Kurven-ABS, Schräglagen-TC, Tempomat, Connectivity usw.

Preis 24.099 Euro

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