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03.05.2015

Die Harley-Davidson Low Rider im Test

Das Kultmodell ist gleichzeitig das am einfachsten zu fahrende US-Big-Bike.

Während die meisten Marken im herrschenden Custom- und Retro-Trend den Sechzigern huldigen, ist man bei Harley schon weiter: Dort feiern derzeit die Siebzigerjahre ihr Revival. Nach der großen Road Glide mit Doppelscheinwerfer gibt mit der Low Rider gleich ein zweites Modell, das in jener Zeit und Stimmung geboren wurde, sein Comeback.

Die Kennzeichen der vergleichsweise kompakt auftretenden Low Rider sind demnach typisch Seventies: Viel Chrom, tiefer Sattel, großes Vorder- und dickes Hinterrad. Klassische Merkmale sind auch der schwarze, von Chrom umrandete Batteriekasten auf der rechten Seite und das Kennzeichen, das so aufrecht und stolz am Heck steht, wie einst der Sparefroh im Foyer der Sparkassen.

Der nur leicht gekröpfte Lenker und der besonders liebevoll abgesteppte sowie mit einer kleinen Plakette versehene Sattel sind hingegen nicht nur hübsch anzusehen, sondern beherrschen auch die Kunst der Verwandlung: Beide lassen sich nämlich ziemlich einfach justieren, sodass sich Fahrerinnen und Fahrer unterschiedlicher Größe schnell zurechtfinden.

Leichtigkeit ist relativ

Die perfekte Basis für den Low Rider bot die Dyna-Baureihe. Damit kommt das Motorrad in den Genuss von zwei glänzenden, sichtbaren Federbeinen am Heck und einem im Stahlrahmen gummigelagerten V2-Motor, der ohne Ausgleichswelle auskommt und viel munterer hochdreht als sein Verwandter in den Softail-Modellen. Mit 126 Netwonmeter schiebt er auch von unten kräftig an, untermalt von dem üblichen Spektakel aus Sound und good vibrations.

Die Dyna-Reihe steht aber auch für vergleichsweise unkomplizierte Fahrbarkeit, was bereits die zuletzt eingeführten Modelle wie die Fat Bob bewiesen haben. Die Low Rider führt diese freundliche Eigenschaft sogar noch ein Stück weiter. Ohne verquere, der Optik geschuldete Verstiegenheiten in der Fahrwerksgeometrie lenkt sie extrem leicht ein, lässt sich dank des tiefen Schwerpunkts problemlos um engste Ecken zirkeln und bietet kleinen Fahrern immer einen sicheren Stand.

Für Harley-Maßstäbe muss man das Handling somit als richtig spielerisch einstufen, womit die Low Rider eine ganz klare Empfehlung für all jene bekommt, die vor einem mächtigen, kapriziösen Eisen zurückschrecken, aber trotzdem den großen 103er Twin unter dem Tank spüren wollen.

Sportlicher Strich

Doch nicht nur für diese Gruppe sticht die Low Rider. Auch alle, die mit einer Harley gern einen flotteren Strich fahren, könnten mit dem Retro-Modell einen passenden Gefährten gefunden haben. Die aufrechte und vergleichsweise aktive Sitzposition macht im Zusammenspiel mit der Agilität und dem straffen, aber keineswegs ungemütlichen Fahrwerk flottes Kurvenschwingen möglich. Auch die Bremserei mit zwei großen Scheiben und Vierkolben-Sätteln vorne spielt hier mit, ABS ist bei allen großen Harleys ohnehin serienmäßig. So ist wie immer bei Choppern die mangelnde Schräglagenfreiheit der limitierende Faktor fürs Flottsein – den man, mit Cruiser-Spirit gedopt, meist aber nicht als solchen empfindet.

Individualisierung

Wer mit der Verstellung von Lenker und Sattel kein Auslangen findet, entdeckt im Zubehörprogramm etliche Varianten für veränderte Fußrasterpositionen. Sie ein wenig nach vorne zu setzen, schadet sicher nicht – ebenso wenig wie ein Blick auf tausend Möglichkeiten zur Individualisierung der eigenen Low Rider. Unser Tipp für Hardcore-Seventies-Aficionados: Fransenledertaschen!

Technische Daten

Antrieb: 2-Zylinder-V-Motor (45 Grad), luftgekühlt, zwei unten liegende Nockenwellen, 2 Ventile pro Zylinder, Trockensumpfschmierung; Verdichtung 9,6:1; elektronische Kraftstoff-Einspritzung, Transistorzündung; 6-Gang-Getriebe; Endantrieb über Riemen.

Hubraum: 1690 cm³

PS/kW: 76/56 maximales Drehmoment:126 Nm bei 3500 U/min

Fahrwerk: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Telegabel mit 49 mm Standrohrdurchmesser; Stahlrohrschwinge mit zwei Federbeinen; Federweg v/h 130/70 mm; vorne Doppel-, hinten Einscheibenbremse, vorne mit 4-Kolben-Sättel, hinten mit 2-Kolben-Sattel; ABS serienmäßig; Drahtspeichenfelgen mit Reifen der Dimension 100/90-19 vorne und 160/70-17 hinten.

Maße (L x B x H):2345 x 904 x 1184 mm Sitzhöhe: 680 mm Radstand: 1630 mm Nachlauf: 128 mm Zuladung: 190 kg Gewicht fahrfertig: 302 kg Tankinhalt: 17,8 Liter

Spitze: 190 km/h

Testverbrauch: 5,8 l/100km

Preis:18.865 €

Preis Testbike:19.215 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 507 €