News
23.04.2015

Erste Ausfahrt mit dem nächsten 7er BMW

Auch wenn Top-Komfort draufsteht, steckt im neuen Siebener eine beeindruckend hohe Agilität.

Jos van As schnallt sich an, schaltet das Stabilitätssystem aus und jagt den neuen Siebener über den gesperrten Rundkurs, dass es eine Freude ist. "Das ist nicht sein Spezialgebiet, aber er kann auch das", lacht der Fahrwerksspezialist von BMW. Spätestens nach dieser Runde war klar, dass das neue Karosseriekonzept mit "Carbon Core", ähnlich revolutionär wie der Alu Space Frame 1993 von Audi, nicht bloß eine Spielerei ehrgeiziger Techniker ist, ebenso wenig wie die weiterentwickelte Allradlenkung. BMW streicht zwar beim neuen Siebener, der im Herbst auf der IAA in Frankfurt Premiere feiern soll, den Top-Komfort heraus, aber der Siebener ist auch beeindruckend agil und dynamisch. Das zeigten erste Testrunden mit der getarnten Langversion auf einem BMW-Testgelände.

Leichtbau Der neue Siebener ist das erste Modell, bei dem BMW das Wissen rund um CFK (kohlefaserverstärkter Kunststoff) aus dem E-Autobereich (i3 und i8) für "normale" Autos nützt. Erstmals wird hier industriell erzeugter CFK nicht als Außenteil einer Karosserie, sondern im Verbund mit Stahl und Alu eingesetzt, und zudem durch ein neues Lackierverfahren in die Serien-Produktion integriert. Genaueres verrät BMW nicht, nur so viel, dass auch neue Produktionsprozesse sowie neue Verbindungstechnologien eingesetzt werden. Was das gefürchtete CFK-Reparieren nach einem Unfall betrifft, so liefert BMW einen eigenen Anweisungskatalog an die speziellen Werkstätten (siehe Zusatzartikel).

Spürbare "Erleichterungen" gelangen BMW auch bei den ungefederten Massen (Radaufhängung, Bremsen, Räder), wie der Werkstoffspezialist Siegfried Kroll, übrigens aus Wieselburg, NÖ, ausführte. Insgesamt soll der neue Siebener so bis zu 130 kg leichter sein als der Vorgänger.

Abgespeckt wurde dort, wo es für die Absenkung des Schwerpunktes sowie die angepeilte 50:50 Achslastverteilung nötig war. "Das schafft Agilität", so ein Techniker, der den Siebener mit einer Eiskunstläuferin vergleicht: Diese ziehe auch die Arme an den Körper, hin zum Mittelpunkt, um möglichst viel Elan in die Bewegung mitzunehmen.

In Fahrt Die ersten Proberunden hinterm Steuer waren vielversprechend. Beeindruckend auch der Beitrag der verbesserten Allradlenkung, die den langen Siebener wie ein Kompaktauto selbst durch sehr enge Kurven zirkeln lässt. Im Siebener nützt die Allradlenkung statt des bisherigen Planetengetriebes eine variable Zahnstangenübersetzung. Damit ist sie auch mit dem Allradantrieb xDrive zu kombinieren (Extras). Eine weitere Neuheit ist die nun elektromechanische Wankstabilisierung (spart Sprit, weil sie anders als die bisherige hydraulische nur bei Bedarf aktiv ist). Neu ist zudem, dass der Siebener auch mit "normalen" Reifen ohne Runflattechnologie zu haben ist.

Serienmäßig hat der neue Siebener vorne und hinten Luftfederung sowie eine Dynamische Dämpfer Control. Bei der Dämpferregelung bietet er drei Modi (Comfort, Comfort+, Sport). Im Sportmodus wird das Auto um 10 mm abgesenkt. Sport+ wird nicht mehr angeboten. Der neue Siebener verfügt aber erstmals über einen "Adaptive" Modus, der sich nach der Fahrweise des Lenkers richtet.

Assistenz Einen Vorgeschmack auf automatisches Fahren liefert der optionale Driving Assistent mit Heckkollisions-Prävention und Querverkehrswarnung. Inkludiert ist auch ein intelligenter Tempomat mit Stop-and-go-Funktion, wo der BMW selbsttätig bis zum Stillstand bremst, aber auch wieder allein losfährt, wenn der Stopp unter 3 sec bleibt. Beeindruckend war der Spurhalteassistent mit aktivem Seitenkollisionsschutz, der bei Bedarf, wenn auf der Nebenfahrbahn ein Lenker droht, seitlich den Siebener zu touchieren, den BMW sanft weglenkt.

Auf einen Baustellenassistenten, der das Auto automatisch durch enge Stellen führt, verzichtet BMW. Aber Kunden können künftig ihren Siebener per Knopfdruck in die Garage schicken oder herausholen. Der BMW fährt dabei max. rund 8 m.

Neuer BMW 7er: Cockpit-Display

1/7

201504_P90179285-zoom-orig.jpg

201504_P90179283-zoom-orig.jpg

201504_P90179284-zoom-orig.jpg

201504_P90179275-zoom-orig.jpg

201504_P90179273-zoom-orig.jpg

201504_P90179272-zoom-orig.jpg

201504_P90179279-zoom-orig.jpg

Cockpit Einen Riesensprung gibt es bei der Bedienung im Cockpit. Das so genannte iDrive System wird um ein Touch Display (Regelung z. B. von Heizung per Berührung) erweitert. Beim Navi kann ein Ziel per Fingerdruck auf die digitale Landkarte eingegeben werden. Dazu kommt eine Gestensteuerung mit vier fix einprogrammierten Bewegungen für Annahme/Ablehnen eines Anrufs sowie Lauter-/Leiserstellen. Dieses System zeigte sich im Test aber noch bockig.

Über Motoren, Gewicht und Abmessungen wird BMW später Näheres verraten.

Bilder vom BMW 7er

1/7

P90179321.jpg

P90179317.jpg

P90179313.jpg

P90179300.jpg

P90179319.jpg

P90179288.jpg

P90179330.jpg

Kohlefaserverstärkter Kunststoff (CFK) ist auch bei der Reparatur eine neue Herausforderung. So warnen Kritiker: "Bei Stahl sieht man nach einem Unfall, was verbogen oder gebrochen ist, bei CFK ist das viel schwieriger." BMW hat dafür einen Leitfaden für Werkstätten ausgearbeitet. Bei der Schadensdiagnose setzt man auf eine optische Methode. Je nach Tiefe der Kratzer wird der Bauteil erneuert oder nicht. Bei Bruch oder Delaminierung wird immer erneuert. Das geht auch segmentweise. Obwohl CFK-Reparaturen schneller erledigt seien als z.B. bei Stahl, seien strukturelle Reparaturen wegen der CFK-Preise um ca. 20 % teurer.

Die Leichtbaumaßnahmen