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22.08.2013

Jaguar XJ 3,0 AWD: Vier Pfoten

Die große Limousine in der Langversion und mit dem neu hinzugekommenen Allradantrieb.

Fünf Jahre ist es schon wieder her, dass das indische Industriekonglomerat Tata die schwer angeschlagene Marke Jaguar gemeinsam mit Land Rover von Ford übernahm. 2,3 Milliarden US-Dollar flossen aufs Konto nach Dearborn/Michigan, die Amis waren heilfroh, die marode britische Katze bei gutem Wind endlich losgeworden zu sein. Heute würden sich die Amis wahrscheinlich alle zehn Finger abschlecken, würden die beiden Marken noch zu Ford gehören, sind doch Absatz und Gewinnmargen von Jaguar/Land-Rover signifikant in die Höhe geschossen.


Was im XJ-Angebot gefehlt hat und bei der deutschen Premiumkonkurrenz unter der Bezeichnung Quattro ( Audi), xDrive ( BMW) und 4Matic ( Mercedes) vermarktet wird, ist jetzt unter dem Akronym AWD nachgereicht worden. AWD steht für „All Wheel Drive“, Allradantrieb also. Und der funktioniert so, wie heute Technik zu funktionieren hat: Unauffällig, effizient, diskret. Man darf als XJ-Pilot beruhigt zur Kenntnis nehmen, dass Traktion vorhanden ist, immer und überall, weil eine Lamellenkupplung die Kraftverteilung regelt, sowohl beim Anfahren am Berg unter widrigsten Bedingungen, als auch in schnellen Kurven, die die britisch-indische Großkatze ebenso ruhig und gelassen wie auf Schienen umrundet und selbst im Grenzbereich nicht ungut die Krallen zeigt.


Großartiger Antrieb

Jaguar beschränkt sich bei der Baureihe XJ auf eine einzige Motorvariante, nämlich auf einen Dreiliter-Benziner. Das Alu-Triebwerk begnügt sich mit sechs Zylindern, lässt aber wegen Direkteinspritzung, variabler Ventilsteuerung und Kompressoraufladung technisch keine Wünsche offen: 340 PS und 420 Newtonmeter werden mit dem Zweitonner mühelos fertig, zumal bei nur 2000 Umdrehungen bereits satte 400 Newtonmeter für vehementen Vortrieb sorgen.


In Verbindung mit der neuen, weich und perfekt schaltenden 8-Gang-Automatik ergibt das ein sehr hohes Maß an Fahrvergnügen, werden doch Tritte aufs Gaspedal mit geradezu arroganter Gelassenheit in Beschleunigung umgesetzt.


Im vornehm eingerichteten Innenraum wird klar, dass die Briten den stilsicheren Umgang mit Holz und Leder immer noch besser beherrschen als der Rest der weiten Welt. Passgenauigkeit, Verarbeitung und Materialbeschaffenheit bestätigen den hohen Anspruch, den Kunden der Marke nun einmal erwarten: Der opulente Luxus kommt luxuriös, aber nicht protzig rüber.


Momente, in denen der XJ-Pilot leise Flüche ausstößt, ja, die gibt’s auch: Weit weg vom Optimum sind beispielsweise der Verbrauch, der große Wendekreis, die eingeschränkte Übersicht und damit verbunden ein gewisses Gefühl des Eingemauertseins, weil die Fensterflächen relativ klein sind, die Gürtellinie aber ziemlich hoch ist.


Mit einem Einstandspreis von € 122.360,– ist die gefahrene Lang-Version (in der gehobenen Ausstattungsebene Portfolio) nicht wirklich ein Geschenk. Dennoch ist sie eine überaus attraktive Alternative zum deutschen Oberklasse-Establishment.

Jaguar XJ 3,0 V6 SC

Antrieb: V6-Benzin, Direkteinspritzer, 2 x 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, Alu-Zylinderköpfe und -block, Kompressor, Ladeluftkühler; Allrad, 8-Gang-Automatik;

Spitze 250 km/h, 0–100 in 6,4 sec.

Hubraum: 2995 cm³, Euro 5.

PS/kW: 340/250 max. Drehmoment:450 Nm bei 3500 U/min.

Fahrwerk: Selbst tragende Aluminium-Karosserie, Hilfsrahmen, vorn McPherson-Federbeine, Doppel-Querlenker, hinten Mehrlenkerachse, v/h Schraubenfedern, elektronisches Dämpfersystem, Stabilisatoren, Luftfederung mit Niveauregulierung, Scheibenbremsen, (v/h innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, ABS, Bremsassistent (BA), elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

Abmessungen(L x B x H): 5247 x 1894 x 1448 mm, Wendekreis: 12,9 m, Radstand: 3160 mm, Kofferraum: 520 Liter, Zuladung: 545 kg, Gesamtgewicht: 2410 kg, Tankinhalt: 70 Liter.

Normverbr.: 9,9 l/100 km, 234 g/km CO²
Testverbr.: 11,9 l/100 km

Preis: 122.360 €
Preis Testwagen: 140.496 €
Motorbezogene Versicherungssteuer: 1492 €