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05.04.2014

Kawasaki Z1000: Die Kunst des bösen Blicks

Mit klingonischer Formensprache startet die Naked-Bike-Legende in die neue Saison.

Muskulöse Linien, ein Stiernacken und eine Front wie ein Alien, garniert mit dem bösesten Blick dieser Tage – steht man der 2014er-Auflage der Z1000 gegenüber, dann scheint kein Stein auf dem anderen geblieben zu sein. Doch der Eindruck täuscht. Technisch ist das Modell eine Evolutionsstufe der im Jahr 2011 präsentierten Z – doch optisch, da schießt sich Kawasaki in eine neue Umlaufbahn.

Sugomi nennen die Japaner ihre neue Designsprache, die Ausdrucksformen aus dem Tierreich nachempfindet, vorzugsweise das Gesicht eines Panthers und den Katzenbuckel eines Jaguars vor dem Sprung. Das Ergebnis mutet dennoch ein wenig klingonisch an, vor allem die Frontmaske mit den vier punktförmigen LED-Scheinwerfern für Abblend- und Fernlicht – eine Premiere bei Kawasaki – erzeugt wohligen Schauer nach der Art eines gut gemachten Horrorfilms.

Ein eigener Stil

Unverwechselbar wird das Bike auch kraft seiner ungewöhnlichen Silhouette: Die Masse strebt nach vorne, kulminiert in einem mächtigen Tank, während hinten das leichte, dünne Heck eines Streetfighters über dem extrabreiten 190er-Reifen schwebt.

Kawasaki Z1000

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Kawasaki Z1000…

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Technisch wurde indes, wie schon angedeutet, lediglich sinnvolle Kosmetik betrieben. Der Motor bekam neue Einlass-Steuerzeiten verpasst und konnte dank Änderungen an der Airbox und der Einspritzung im Drehmoment über den gesamten Bereich zulegen. Die Leistung stieg ebenfalls, um vier auf nunmehr 142 PS. Die Modifikationen an der Airbox führen übrigens zu einem angenehmen Nebeneffekt: Beim Öffnen der Drosselklappe wechselt das Ansauggeräusch in eine sonore Tonlage, die gut zum dominanten Look der Front passt.

Technische Updates

Fahrwerkseitig wurde die Gabel getauscht; die 41er-Showa-USD verteilt nun Zug- und Druckstufendämpfung auf separate Rohre, was die individuelle Abstimmung einfacher machen soll. Markante Änderungen gab’s auch bei den Bremsen: Radialbremszylinder und vordere Bremsscheiben wurden größer, zudem kommen Monoblock-Bremssättel zum Einsatz. Dass ein Antiblockiersystem nach wie vor als Option gewählt werden muss, ist freilich ein unverständlicher Anachronismus. Auch dass keine Traktionskontrolle angeboten wird, obwohl sie im Schwestermodell Z1000SX zum Serienumfang zählt, muss als fragwürdige Entscheidung gelten.

Angeführter Hintergrund: Die Z1000 soll weiter als Macho-Motorrad für Puristen positionieren werden, die Fahrhilfen per se als Zeichen von Schwäche auslegen. Das passt immerhin zum aggressiven Design und dem Fahrverhalten, das gereizt und anspruchsvoll ist. Ungewöhnlich hart abgestimmt leitet das Fahrwerk Stöße oft in den Rahmen ein, beeinflusst damit das Feedback für den Fahrer; hinsichtlich des Federungskomforts sollte man sich auch keinen großen Hoffnungen hingeben.

Das Ansprechverhalten des Motors ist ebenfalls äußerst direkt und beim Lastwechsel leicht ruckartig, was erneut den wohl gewünschten Eindruck eines Biests, das von kundiger Hand gebändigt werden will, verstärkt.

Dafür lässt die gebotene Power keine Wünsche offen. Da dieser Tausender nicht von bestehenden Superbike-Konzepten abgeleitet, sondern für das Vorgängermodell von Grund auf als Naked-Bike-Motor konstruiert worden ist, serviert er in jeder Lebenslage Druck und spontanen Vortrieb; man tut gut daran, den Lenker mit festem Griff zu führen. Dabei dreht der Vierzylinder vibrationsfrei wie eine Turbine und macht dem grimmigen Look seiner Verpackung einmal mehr alle Ehre.

Bequemlichkeit

Große Überraschung bei der ersten Testfahrt: Die Sitzposition gestaltet sich viel freundlicher als man auf den ersten Blick annehmen möchte: Der Kniewinkel ist recht moderat, der Sattel äußerst kommod und der Lenker ergonomisch fein geformt – dabei nicht allzu breit, was man in der Stadt für die rasche Durchfahrt zwischen den Autokolonnen sehr rasch zu schätzen wissen wird.

Auch die Änderungen an der Bremse machen sich bezahlt; sie verzögern mit sehr gutem Druckpunkt und exzellenter Dosierbarkeit, ohne unverfroren brachial zuzubeißen.

Ein- oder zweifarbig

Die Neuauflage der Z1000 kostet in Schwarz oder Orange 14.199 Euro; der Aufpreis auf die grau-grüne Limited Edition (siehe Fotos) beträgt 200 Euro. Für beide Versionen ist die empfehlenswerte Option auf ein Antiblockiersystem einlösbar – für weitere 600 Euro.