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Fahrbericht
03/19/2015

KTM 1290 Super Adventure: Die Reiseenduro aus Österreich

Wir Österreicher sind die Größten. Zumindest in dieser Klasse.

Erst vor zwei Jahren hat KTM mit der 1190 Adventure seine große Reiseenduro erneuert – wieso setzt man mit der 1290 Super Adventure nun noch eine Kirsche auf die Torte? Die Antwort ist klar: Dieses Segment boomt und sorgt mit Premiumpreisen für gute Margen in den Kassen der Hersteller. Da ist es durchaus sinnvoll, eine Modellreihe weiter aufzufächern.

Die 1290 Super Adventure kommt auch deshalb gerade recht, weil man bei KTM durchaus erkannt hat, dass die 1190 Adventure für viele Tourenfahrer einige Defizite hat. Der Markenclaim "Ready to Race" macht die 1190 zur agilsten und stärksten Reiseenduro am Markt, aber in Sachen Komfort bestand Aufholbedarf.

Diesen Job erledigt nun die 1290 Super Adventure. Mit dem neuen, semi-aktiven elektronischen Fahrwerk bietet sie eine Spreizung an Setups, die faszinierend ist. Im Modus "Komfort" bügelt sie über die schlimmsten spanischen Holperstrecken, als würde man über eine neu asphaltierte Autobahn fahren. Street, Sport und Offroad sind weitere Möglichkeiten. Weil das Fahrwerk semi-aktiv ist, reagieren die Federelemente auch selbstständig und verhärten beispielsweise beim Anbremsen die Gabel, um ein Einnicken zu reduzieren.

Zweiter großer Komfortbringer ist die neue Front mit großer Tourenscheibe, die per Handrad auch während der Fahrt leicht verstellbar ist. "Noch nie zuvor hat KTM in der Aerodynamik so einen Aufwand getrieben", erklärt Sebastian Sekira, Entwicklungsleiter für alle Straßenmodelle. Das Ergebnis ist mehr als vorzeigbar: Hochgefahren zählt die Scheibe zu den allerbesten am Markt.

Um dem neuen Premium-Ambiente gerecht zu werden, hat KTM sogar den Motor getauscht. In der Super Adventure arbeitet der LC8 in der Hubraumversion der 1290 Super Duke. Gegenüber dem Naked Bike wurde allerdings die Schwungmasse der Kurbelwelle um zwei Kilo erhöht, auch der Zylinderkopf wurde überarbeitet. Das Ergebnis sind immer noch stolze 160 PS, aber vor allem ein noch kultivierterer Motorlauf. Schon knapp über Leerlaufdrehzahl sind mehr als 100 Newtonmeter präsent, 140 werden es bei bei 6750 Umdrehungen. Was das in der Praxis bedeutet, kann man sich leicht ausmalen: Es gibt Kraft in jeder Lebenslage und auf Befehl eine Performance, bei der man den Lenker lieber fester greift.

Der kultivierte Motorlauf korrespondiert mit einem auf erstaunliche Leichtfüßigkeit ausgelegten Fahrwerk. Der massive 30-Liter-Tank und die Front mit der hohen Scheibe flößen ja gehörig Respekt ein; dieses Gefühl weicht schon nach wenigen Metern reiner Fahrfreude – Wechselkurven, Stop-and-go, enge Kehren auf Bergstraßen, alles läuft flüssig und geschmeidig von der Hand.

Teuer, aber edel

Mit einem Preis von 20.998 Euro erklimmt KTM freilich auch preislich den Großglockner. Der erste Schreck wird aber durch einen Blick in die Ausstattungsliste gemildert: Hier ist vieles serienmäßig an Bord, wofür man anderswo aufzahlen muss, etwa Griff- und Sitzheizung, Tempomat (erstmals bei KTM), Kurvenlicht oder das famose MSC (Motorcycle Stability Control) mit Kurven-ABS.