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© Rolls-Royce

News
05/06/2022

Wenn der normale Rolls-Royce Ghost nicht exklusiv genug ist

Was die besondere Black-Badge-Serie des Rolls-Royce Ghost ausmacht und warum die Kundschaft jünger ist, als die von Mini

von Horst Bauer

Die Zeiten könnten schlechter sein für Hersteller von Luxusautos. Trotz aller Fährnisse, welche die Weltwirtschaft und insbesondere die Autoindustrie hemmen, schreiben alle im teuersten Marktsegment angesiedelten Hersteller Rekordzahlen.

So auch Rolls-Royce, wo nicht nur 2021 den besten Absatz der langen Geschichte des Hauses gebracht hat. Auch heuer im ersten Quartal ging der Run der betuchten Kundschaft auf Rolls-Royce-Modelle ungebremst weiter.

Das liegt wohl auch daran, dass sich die Luxus-Dependance des BMW-Konzerns intensiv um die Wünsche und Vorlieben der potentiellen Kunden kümmert. Und deren Profil hat sich in den letzten Jahren gravierend geändert. Bildeten früher eher reifere Jahrgänge die angestammte Rolls-Royce-Klientel, so liegt der aktuelle Altersschnitt bei vergleichsweise jugendlichen 42 Jahren.

Womit Rolls-Royce-Käufer im Schnitt jünger sind als jene von Mini.

An diesem Punkt kommt das Thema Black Badge ins Spiel. Mit diesen noch einen Tick exklusiveren Ausgaben bestehender Modelle des Hauses bedient man Vorlieben und Geschmack einer jüngeren Klientel, die blitzendes Chrom ästhetisch hinter sich gelassen hat. Oder wie man es bei Rolls-Royce diplomatisch formuliert: „Sie wollen nicht, dass es so aussieht, als wären sie mit Daddys Auto unterwegs.“

Jüngstes Beispiel dafür ist die Black-Badge-Variante des neuen Ghost. Bei diesem Rolls für Selbstfahrer, der „agil, diskret, hochgradig vernetzt und frei von überflüssigem Design“ sein will, schärfen die Designer diesen von ihnen „Postopulenz“ genannten Stil weiter an. Auffälligstes Zeichen dafür: sogar die normalerweise hochglanzpolierte Kühlerfigur Spirit of Ecstasy wird durch ein aufwändiges Verfahren mit einem speziellen Chromelektrolyten so behandelt, dass sie sich durch ein „hochglanzschwarzes Chrom-Finish“ markant unterscheidet.

Auch an Leistung zugelegt

Aber auch wenn es bei Optik und Interieur des Ghost Black Badge um „Reduktion und Substanz“ geht, technisch darf es schon ein Schäuferl mehr sein. So leistet der 6,75-Liter-V12-Motor jetzt 600 PS und opulente 900 Nm (statt 571 PS und 850 Nm).

Dass auch das Fahrwerk (u. a. durch voluminösere Luftfedern) an die erhöhte Leistung und die ambitionierter ans Werk gehende Kundschaft angepasst wurde, wollten die noblen Briten durch eine in diesen Kreisen eher ungewöhnliche Aktion beweisen. So überließ man einer handverlesenen Gruppe von Fachjournalisten je einen Ghost Black Badge für eine flotte Runde ohne Gegenverkehr auf dem nicht unbedingt für seine langen Geraden berühmten Hungaroring.

Eine Runde auf dem Hungaroring

Fazit: Ihre junge Lordschaft (bzw. jene asiatischen Aufsteiger, denen die Senkung des Altersschnitts zu verdanken ist) können es im Anlassfall unbesorgt krachen lassen. Allradlenkung und vier angetriebene Räder verleihen dem 2,5-Tonnen-Schiff eine ungeahnte Agilität auf gewundenem Geläuf. Zumal, wenn man den unscheinbaren „Low“-Knopf am Schalthebel drückt, was die Schaltgeschwindigkeit der 8-Gang-Automatik verdoppelt, den Bremsdruckpunkt verstärkt und den Pedalweg verringert. Dass das volle Drehmoment von 900 Nm schon ab 1.600 Touren zur Verfügung steht, tut das Seine zur Steigerung der Rasanz.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich nicht nur überlegen, ob er eine der 44.000 „Ready-to-wear“-Farben wählen oder doch einen eigenen Farbton für seinen Ghost Black Badge kreieren lassen soll. Auch die Frage, ob man sich mangels eines österreichischen Stützpunktes für den Erwerb an einen Rolls-Royce-Händler in München oder Zürich wenden will, sollte bedacht werden.

Die zumindest 302.000 € Spielkapital (Preis ohne Steuern) werden sich dann schon irgendwie finden.

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